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Streit um Sozialleistungen
Hartz IV bringt oft mehr als ein Job

Unter die Lupe genommen – mit überraschendem Ergebnis.
Unter die Lupe genommen – mit überraschendem Ergebnis. FOTO: Jens B¸ttner
Berlin. Der Steuerzahlerbund hat nachgerechnet: Oft erhalten Menschen, die Hartz IV beziehen, mehr Geld als Menschen, die arbeiten. Das dürfte die Diskussion über den Sozialstaat kräftig anheizen. dpa

Hartz-IV-Bezieher haben nach Zahlen des Steuerzahlerbundes im Monat oft mehr Geld zur Verfügung als Arbeitnehmer. Wer eine vierköpfige Familie ernähren will, braucht demnach heute einen Bruttolohn von mindestens 2540 Euro, um netto Hartz-IV-Niveau zu erreichen. Das zeigen Berechnungen des Steuerzahlerbundes für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Für eine fünfköpfige Familie seien dazu mindestens 3300 Euro brutto erforderlich.

Das Lohnabstandsgebot – der Abstand zwischen Löhnen und Sozialleistungen – wird offensichtlich nicht immer eingehalten. Gehe man von einer Arbeitszeit von 38 Stunden in der Woche aus, benötigten Alleinverdiener mit Partner und zwei Kindern einen Stundenlohn von mindestens 15,40 Euro, um Hartz-IV-Niveau zu erreichen; bei drei Kindern seien dies 20 Euro, so die Berechnungen weiter. Danach werden der vierköpfigen Familie monatlich 610 Euro Sozialabgaben und Steuern abgezogen, der fünfköpfigen Familie 917 Euro. Der Mindestlohn liegt derzeit bei 8,84 Euro in der Stunde.

Grundlage der Berechnungen des Steuerzahlerbundes ist eine Übersicht des Bundessozialministeriums zur Höhe der Hartz-IV-Leistungen. Ein Haushalt aus zwei Erwachsenen und zwei Kindern hat demnach Anspruch auf durchschnittlich 1928 Euro im Monat als Regelbedarf. Der Betrag enthält Geldleistungen von 1284 Euro für den Lebensunterhalt sowie 644 Euro für Miete und Heizung. Diese Beträge können je nach Lebenshaltungskosten in einer Region schwanken.

Über die Frage, ob Hartz IV zum Leben reicht, wird in der neuen schwarz-roten Koalition gerade heftig gestritten. Hintergrund Seite 8