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| 16:13 Uhr

Politik
Harald Wolf ... der Mann des Ausgleichs soll Linke befrieden

ARCHIV -  Harald Wolf (Die Linke) spricht am 16.02.2017 in Berlin bei der Aussprache zur Neuausrichtung der Stadtwerke. Der Bundesgeschäftsführer der Linken, Höhn, tritt wegen anhaltenden Streits in der Parteizentrale zurück. Sein Amt soll kommissarisch der ehemalige Berliner Wirtschaftssenator Harald Wolf übernehmen, der für die Linke im Berliner Abgeordnetenhaus sitzt. (zu dpa "Linke-Geschäftsführer Höhn geht im Streit - Nachfolger Wolf" vom 10.11.2017) Foto: Paul Zinken/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
ARCHIV - Harald Wolf (Die Linke) spricht am 16.02.2017 in Berlin bei der Aussprache zur Neuausrichtung der Stadtwerke. Der Bundesgeschäftsführer der Linken, Höhn, tritt wegen anhaltenden Streits in der Parteizentrale zurück. Sein Amt soll kommissarisch der ehemalige Berliner Wirtschaftssenator Harald Wolf übernehmen, der für die Linke im Berliner Abgeordnetenhaus sitzt. (zu dpa "Linke-Geschäftsführer Höhn geht im Streit - Nachfolger Wolf" vom 10.11.2017) Foto: Paul Zinken/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ FOTO: Paul Zinken / dpa
Berlin. Wenigstens einen Personalwechsel kann die schier hoffnungslos zerstrittene Linkspartei noch mit bemerkenswerter Geräuschlosigkeit organisieren: Nachdem der Rücktritt von Bundesgeschäftsführer Matthias Höhn am vergangenen Donnerstag ruchbar wurde, gingen kaum 24 Stunden ins Land, bis die beiden Vorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger einen kommissarischen Nachfolger aus dem Hut gezaubert hatten: Harald Wolf, 1956 in Offenbach geboren, soll die Partei wieder in ruhigeres Fahrwasser bringen. Stefan Vetter

Bundespolitisch ist Wolf ein unbeschriebenes Blatt. Karriere machte der für seine ruhige Art geschätzte Realo in der Berliner Landespolitik. In der rot-roten Koalition der Jahre 2002 bis 2011 brachte er es zum Wirtschaftssenator und (stellvertretenden) Bürgermeister Berlins. Inzwischen sitzt Wolf für die Linke nur noch als einfacher Abgeordneter im Parlament der Hauptstadt. Davor lag eine politische Odyssee, die ihn zunächst Trotzkist werden ließ. Mitte der1980er-Jahre stieß Wolf zu den Berliner Grünen, die damals noch „Alternative Liste“ hießen. 1989 war er Mitverhandler bei der Bildung eines rot-grünen Senats. Schon damals machte sich Wolf einen Namen als beharrlicher Pragmatiker und Mann des Ausgleichs. Ein Jahr später verließ er die Grünen, um sich schließlich der Linken zuzuwenden, die noch unter dem Namen PDS firmierte. Als Wahlkämpfer in eigener Sache musste Wolf allerdings eine herbe Niederlage einstecken: Seine Spitzenkandidatur für die Berliner Linke im Jahr 2011 trug der Partei ein grottenschlechtes Ergebnis von nur knapp zwölf Prozent der Stimmen ein, was auch an Wolfs dröger Ausstrahlung gelegen haben mochte. Ein Mann der Talkshows ist der studierte Politologe sicher nicht, aber politische Lautsprecher hat die Linke ohnehin schon genug im Angebot. Das Problem ist nur, dass es dabei alles andere als harmonisch zugeht, gelegentlich auch geradezu feindselig. Die beiden Vorsitzenden sind den beiden Fraktionschefs Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch jedenfalls in herzlicher Abneigung verbunden. Umgekehrt gilt das genauso. Und Wolfs Vorgänger Höhn war in dem Gerangel um Macht und Einfluss schlicht zwischen die Fronten geraten, weshalb er entnervt das Handtuch warf.

Ob sich mit Wolf nun die große Versöhnung einstellt? Daran glaubt er offenbar selbst nicht so recht. „Ich kann nur appellieren, die Diskussion in den Gremien zu führen und nicht über die Medien und nicht über Facebook“, sagte er am Montag. Die Partei müsse wegkommen von den personalisierten Auseinandersetzungen. Es klang wie eine flehentliche Bitte. Vielleicht ist Wolf in dem ganzen Ränkespiel auch nur ein Mann des Übergangs. Jedenfalls betonte er gleich mehrfach, dass seine Zusage für den Geschäftsführer-Job nur bis zum nächsten ordentlichen Bundesparteitag im Juni 2018 gelte. Und trocken fügte er hinzu: „Die Übernahme stand nicht in meiner Lebensplanung“. ⇥Stefan Vetter