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| 15:11 Uhr

„Wochenende des Widerstands“ gegen die Kohle
Hambacher Forst: Tunnel wie in Vietnam

Aktivisten haben sich im Hambacher Forst verschanzt.
Aktivisten haben sich im Hambacher Forst verschanzt. FOTO: dpa / Jana Bauch
Aachen.. Der Hambacher Forst ist zum Symbol für den Widerstand gegen die Kohle geworden. Aktivisten haben zum „Wochenende des Widerstands“ aufgerufen – und offenbar ein Tunnelsystem angelegt, das die Polizei an den Vietnamkrieg erinnert.

Im Hambacher Forst, der zum Symbol für den Kampf von Umweltschützern gegen die Kohleverstromung geworden ist, haben Aktivisten mit einem „Wochenende des Widerstands“ gegen die Abholzungspläne des Energiekonzerns RWE begonnen. Am Samstagmittag war die Lage aber zunächst ruhig, wie ein Polizeisprecher in Aachen sagte.

Die „Rheinische Post“ berichtet unter Berufung auf Polizeidokumente, Aktivisten hätten Tunnel in dem Gebiet angelegt. Diese lägen zum Teil in vier Metern Tiefe und seien über gut ausgebaute Einstiegslöcher zu erreichen.

So sei etwa am 28. August ein 60 mal 60 Zentimeter großes Erdloch an einer Wiese entdeckt worden, das in einen Tunnel Richtung Wald mündete, berichtete die Zeitung. Am selben Tag seien ganze Tunnelsysteme und Zugänge mit Beton verfüllt worden, nachdem man sich vergewissert habe, dass sich keine Menschen mehr darin aufhielten.

Die Tunnel dienten den Aktivisten „als Rückzugsort, als Schlafstätte, Versteck und vermutlich auch Schmuggelroute, um Waffen und Krawallmacher in den Forst zu bringen“, zitierte die Zeitung einen leitenden Polizisten. Wie viele solcher Tunnelanlagen es gebe, wisse die Polizei nicht. Vermutet werde aber eine höhere Zahl, da die Besetzer sechs Jahre Zeit gehabt hätten, diese anzulegen.

„Die Tunnel erinnern an die unterirdischen Anlagen während des Vietnamkrieges“, zitierte die „Rheinische Post“ den Polizeivertreter. „Dadurch können wir wie aus dem Nichts angegriffen werden.“ Zudem seien im Forst auch Erdlöcher und Waffendepots gefunden worden, in denen Zwillen und Molotow-Cocktails gelagert würden.

Bei Protesten gegen Rodungen im Hambacher Forst hatte 2012 ein Umweltschützer in einem Schacht die Einsatzkräfte tagelang in Atem gehalten. Nach aufwändigen Rettungsarbeiten hatte er sich zunächst noch tiefer in einen selbstgegrabenen einsturzgefährdeten Erdbunker zurückgezogen, schließlich wurde er festgenommen. Die Polizei Aachen hatte in der Vergangenheit stets davon gesprochen, dass es im Forstgebiet Erdlöcher und Depots gebe, nicht aber Tunnelsysteme.

Die nordrhein-westfälischen Grünen kündigten unterdessen an, ihren Landesparteirat am 7. Oktober in das Gebiet verlegen zu wollen. „Wir werden mit diesem Parteitag direkt am Hambacher Wald ein deutliches Signal an RWE, Landes- und Bundesregierung für einen Rodungsstopp senden“, sagte die Landesvorsitzende der NRW-Grünen, Mona Neubaur, dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Die Beratungen mit rund 200 Delegierten sollen demnach in einem Zelt auf einem Grundstück der Umweltschutzorganisation BUND an der Abbaukante des Tagebaus statt wie ursprünglich geplant in der Bochumer Jahrhunderthalle abgehalten werden.

Im Hambacher Forst will RWE ab Oktober 100 Hektar Wald roden, um einen Braunkohletagebau zu vergrößern – dies sei „kurzfristig zwingend erforderlich“, um die Kohleförderung aus dem Tagebau Hambach sicherzustellen, argumentiert der Konzern. Bei Umweltschützern stößt das auf scharfe Kritik. Seit Längerem halten Aktivisten einen Teil des Gebiets besetzt. Immer wieder kommt es dabei auch zu Zusammenstößen mit der Polizei.

Für 17 Uhr ist eine Mahnwache im Hambacher Forst angemeldet worden. „Wir werden auf jeden Fall wieder in den Wald kommen“, kündigte ein Sprecher der „Aktion Unterholz“ an.

(AFP/dpa/bob)