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| 18:44 Uhr

Anstieg bei Verstößen gegen Waffengesetz
Tödliche Waffen Marke Eigenbau

 Immer wieder stellt die Polizei bei Durchsuchungen Waffen sicher.
Immer wieder stellt die Polizei bei Durchsuchungen Waffen sicher. FOTO: dpa / David Inderlied
Berlin. Verbotenes Kampfgerät stammt in Deutschland aus unterschiedlichsten Quellen. Von Hajo Zenker

Verbotene Waffen stammen in Deutschland aus verschiedenen Quellen – sie werden vom Balkan her eingeschmuggelt, im Darknet bestellt, durch Umbau historischer oder historisch aussehender Waffen gefertigt oder gleich vollständig selbst hergestellt. Das Bundeskriminalamt hat für 2018 einen Anstieg bei Verstößen gegen das Waffengesetz um 5,5 Prozent auf 40 104 Fälle registriert – fast 10 000 mehr als vor fünf Jahren. Dazu zählen illegaler Waffenbesitz, illegale Einfuhr, illegaler Handel und illegale Herstellung.

Der Täter von Halle/Saale hatte ein selbst gebasteltes Arsenal dabei. Zwei Maschinenpistolen davon waren nach Bauplänen des 2011 gestorbenen Briten Philip Luty gefertigt. Als Ende der 1980er-Jahre in England die Waffengesetze rigoros verschärft wurden, entwickelte Luty eine Maschinenpistole, die aus grob zurechtgesägten Metallstücken sowie Schrauben und Federn aus dem Baumarkt bestand und ohne teures Werkzeug hergestellt werden konnte. Er veröffentlichte die Bauanleitungen, kam mehrmals in Gefängnis. Denn die Waffen können absolut tödlich sein, wie auch Tests der australischen Polizei zeigten. Angesichts der billigen Materialien und je nach Begabung des illegalen Waffenbauers sind sie aber nicht sehr zuverlässig.

Ein laut BKA „bedeutendes Phänomen“ ist zudem, vermeintlich ungefährliche Waffen scharf zu machen. Das gilt etwa für sogenannte Flobert-Pistolen. Die waren mit einem als „Mäusekaliber“ verharmlosten Vier-Millimeter-Lauf bis ins Jahr 1972 in der Bundesrepublik frei zu kaufen – um etwa in der Kneipe auf eine Zielscheibe zu ballern. Noch heute sind sie in der Slowakei, auch mit Sechs-Millimeter-Lauf, problemlos erhältlich – und lassen sich recht leicht in echte Neun-Millimeter-Pistolen verwandeln. So tauchen sie in ganz Europa auf. Und wurden beim „Charlie Hebdo“-Anschlag in Paris und dem Amoklauf in München verwendet. In Berlin und Brandenburg hatte es im Januar eine Razzia  gegen eine Bande gegeben, die Dutzende  solcher Pistolen  an  kriminelle  Kreise verkauft hatte.

 Immer wieder stellt die Polizei bei Durchsuchungen Waffen sicher.
Immer wieder stellt die Polizei bei Durchsuchungen Waffen sicher. FOTO: dpa / David Inderlied