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"Erfolgreiche Operation der Behörden"
Hackerangriff war angeblich jederzeit unter Kontrolle

Exklusiv | Berlin. Hacker sollen das sensible Datennetzwerk des Bundes attackiert haben - mehrere Monate lang. Aber Sicherheitsbehörden wollen davon früh gewusst haben. Demnach griffen sie nur deshalb nicht ein, um mehr über den Angriff und mögliche Abwehrmaßnahmen herauszufinden.

Hacker sollen das Datennetz des Bundes attackiert haben, vielleicht sogar monatelang. Sicherheitsbehörden wollen davon früh gewusst haben. Demnach griffen sie nur deshalb nicht ein, weil sie mehr über Angriff und mögliche Abwehrmaßnahmen herausfinden wollten.

Der Hackerangriff auf das Datennetz des Bundes war nach Angaben des Bundesinnenministeriums durchgehend unter Kontrolle. Der Angreifer sei "jederzeit voll kontrolliert von den Sicherheitsbehörden beobachtet worden, um weitere Erkenntnisse über den Angriffsmodus zu erhalten und Sicherheitsmaßnahmen im (Bundesnetz) IVBB einzuleiten", sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Ole Schröder, am Donnerstag dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Sicherungsmaßnahmen seien noch nicht abgeschlossen, fügte der CDU-Politiker hinzu, ohne Details zu nennen. Um die Aufklärung des Falles nicht zu gefährden, solle es keine weiteren öffentlichen Informationen geben.

"Es handelt sich um eine äußerst erfolgreiche Operation der Sicherheitsbehörden des Bundes: Es ist in exzellenter Zusammenarbeit gelungen, einen Hackerangriff auf das Netz des Bundes zu isolieren und unter Kontrolle zu bringen", sagte Schröder. Das Innenministerium hatte den Hackerangriff am Mittwoch bestätigt. In Sicherheitskreisen hieß es, der Vorfall sei seit längerem bekannt. Nach bisherigem Stand seien die Systeme der Bundeswehr und des Verteidigungsministeriums nicht unmittelbar betroffen.

Laut Zypries noch keine Hinweise auf russischen Beteiligung

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur waren ausländische Hacker in das bislang als sicher geltende Datennetz des Bundes eingedrungen. Der Angriff soll mindestens bis Mittwoch angedauert haben. Die Hacker sollen das Außen- und das Verteidigungsministerium angegriffen, dabei aber gezielt nach Daten zu bestimmten Themen gesucht haben. Unklar ist, ob sie fündig geworden sind. Verdächtigt wird die russische Gruppe "APT28", die auch für Angriffe auf den Bundestag verantwortlich gemacht wird.

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries sagte, es gebe bislang keine Hinweise auf eine russische Täterschaft bei dem Hackerangriff. Es sei nicht geklärt, ob die Spur nach Russland führe. "Wenn es irgendwas mit der Regierung zu tun hätte, dann würde es natürlich Probleme nach sich ziehen, das ist ja ganz gar klar", sagte die SPD-Politikerin. "Aber davon kann ja im Moment gar keine Rede sein. Wir können da noch gar nichts sagen."

Der CSU-Politiker Stephan Mayer warnte davor, in Hysterie zu verfallen. "Wir tragen nicht zu einer seriösen Aufklärung bei, wenn wir uns in Mutmaßungen versteigen und Hypothesen aufstellen, wie es dazu gekommen ist", sagte der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Radioprogramm SWR Aktuell. Mayer verteidigte die Entscheidung der Sicherheitsbehörden, die Öffentlichkeit nicht umgehend über den Hacker-Angriff zu informieren. Durch die anfängliche Geheimhaltung habe die Möglichkeit bestanden, den Tätern auf die Spur zu kommen. Er sei für "lückenlose und vollständige Aufklärung". Allerdings müsse diese Aufklärung im Parlamentarischen Gremium zur Kontrolle der Geheimdienste erfolgen "und nicht auf dem Basar der Öffentlichkeit".

Mitglieder des Geheimdienst-Kontrollgremiums im Bundestag prangern dagegen an, dass sie nicht vorab über den Hackerangriff auf das Datennetzwerk des Bundes informiert wurden. Dass eine solche Nachricht erst über die medien an die Öffentlichkeit komme, bevor die zuständigen Gremien unterrichtet würden, sei "maximal schlecht und ärgerlich", sagte der stellvertretende Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums, Konstantin von Notz (Grüne). Der Vorgang sei "sehr irritierend". Die Runde kam wegen der Hackerattacke zu einer Sondersitzung zusammen.

(wer)