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| 07:16 Uhr

Personalnot
Grundschul-Rektoren in Teilzeit

Düsseldorf. In einem Test können sich Leiter von Grundschulen in NRW ihre Stelle teilen. Das Land kämpft gegen die Personalnot. Kirsten Bialdiga

Grundschul-Rektoren in Nordrhein-Westfalen können sich künftig eine Stelle teilen. Einen entsprechenden Pilotversuch startet NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP), um den Mangel an Schulleitern zu bekämpfen - zurzeit ist etwa jede siebte Stelle unbesetzt. "Damit darf niemand zufrieden sein; jede einzelne unbesetzte Leitungsstelle stellt für die Schulen eine große Belastung dar", sagte Gebauer.

Aktuell sind 707 Direktorenstellen an den 5105 öffentlichen Schulen in NRW vakant. Besonders stark betroffen sind Haupt- und Real-, aber auch Grundschulen: Hier liegt die Besetzungsquote nach Angaben des Schulministeriums bei 87,15 Prozent. Noch größer ist der Mangel an Stellvertretern: Hier sind nur knapp 78 Prozent der offenen Stellen besetzt. Die regionalen Unterschiede sind allerdings groß. Während es etwa in Paderborn laut Gebauer keine Probleme gibt, "ist das Ruhrgebiet unser Sorgenkind". Um die Leitungsstellen künftig generell attraktiver zu machen, will die Ministerin zunächst an fünf Grundschulen im Regierungsbezirk Arnsberg das Teilen der Jobs ermöglichen.

Vom nächsten Schuljahr an soll sich dort ein gleichberechtigtes Führungstandem eine Rektorenstelle teilen. Dazu werde die finanzielle Ausstattung dieser fünf Schulleiter-Stellen auf 120 Prozent angehoben. Die Zeit für Leitungsaufgaben wird um zwei Stunden ausgeweitet. Wie sich die beiden Schulleiter dann die Position teilen, ist ihnen überlassen. So sei eine Stellen-Aufteilung von 70 zu 50 Prozent genauso denkbar wie 80 zu 40 oder auch 60 zu 60, sagte Yvonne Gebauer. Der Versuch ist vorerst auf fünf Jahre angelegt und soll wissenschaftlich begleitet werden. Das sogenannte Topsharing-Modell könne aber jederzeit und ab sofort auch auf andere Schulen ausgedehnt werden.

Die Schulministerin von der FDP erhofft sich von dem neuen Pilotprojekt, dass sich künftig mehr Lehrerinnen für eine Schulleiterstelle interessieren. An Grundschulen arbeiten zu 91 Prozent Frauen, sehr viele von ihnen in Teilzeit. Sie schreckten vielfach davor zurück, einen Rektorenposten zu übernehmen, weil sie dann in Vollzeit wechseln müssten.

Bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in NRW stieß das Modell überwiegend auf Zustimmung. "Wir fordern schon seit Langem die Möglichkeit, Schulleitung in Teilzeit zu ermöglichen", sagte die GEW-Landesvorsitzende Dorothea Schäfer. Genauso wichtig sei es aber, die Schulleiter stärker von Verwaltungsaufgaben zu entlasten. Die in diesem Zusammenhang von Gebauer angekündigten 45 zusätzlichen Stellen für neue Schulverwaltungsassistenten hält Schäfer für viel zu wenig: "Als sie in der Rolle der Opposition war, forderte die FDP noch 3000 neue Schulverwaltungsstellen." Auch die Grünen-Politikerin Sigrid Beer kritisierte den Vorstoß als zu zaghaft: "Viel wichtiger wäre, die Leitungspositionen in unseren Schulen sofort vom Verwaltungsaufwand zu befreien, gerade auch die Grundschulen. Dazu braucht es Personal und kein Jobsharing."

Anke Rieke weiß aus der Praxis, wovon hier die Rede ist. Die Rektorin der Grundschule Lilienthalstraße in Duisburg erfährt bei ihrer täglichen Arbeit, was es bedeutet, wenn nur 17 Sekretärinnenstunden für eine Schule mit 220 Schülern vorgesehen sind. "Ständig klopft es an der Tür; ein Kind will die Mama anrufen, weil es Bauchschmerzen hat, ein anderes hat sich verletzt - zu den eigentlichen Aufgaben einer Schulleiterin kommt man nicht mehr, wenn die Sekretärin schon Feierabend hat." Die Jobsharing-Idee der Schulministerin findet Rieke im Prinzip gut, aber ohne Weiteres sei sie kaum praktikabel.

Die Krux: Schulleitern stünden 20 Stunden für Verwaltungsaufgaben wie Vertretungspläne, Statistiken oder Schulbuchbestellung zur Verfügung. Daneben unterrichten sie aber auch eine eigene Klasse. "Bei einem 50-zu-50-Modell klappt es mit der Klassenleitung nicht mehr", sagt die 49-Jährige. Oder es müsse künftig auch doppelt besetzte Klassenleitungen geben. Langjährige Rektorinnen wie Rieke will die Schulministerin ab Februar 2019 in ein insgesamt einjähriges Mentoren-Programm einbinden, um den Nachwuchs frühzeitig zu fördern.

Jenseits der neuen Vorschläge hatte die Landesregierung zu Jahresbeginn die Besoldung der stellvertretenden Schulleiter an Grund- und Hauptschulen erhöht. Sie haben nun Anspruch auf die Besoldungsgruppe A 13 mit Amtszulage, was rund 700 Euro brutto im Monat mehr ausmacht. Im Landeshaushalt schlägt dieser Posten mit zwölf Millionen Euro zu Buche - allerdings bei einem Gesamtetat von mehr als 70 Milliarden Euro.

Am Ende dämpfte die Ministerin die Erwartungen an ihre neuen Vorschläge: "Es ist mitunter Graswurzelarbeit". Über die Ergebnisse werde sie jährlich berichten. Sicher sei aber, dass sich der Erfolg nicht über Nacht einstelle.