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| 19:11 Uhr

Neues Label
„Grüner Knopf“ für faire Kleidung

 Setzt auf soziale und ökologische Standards: Minister Gerd Müller.
Setzt auf soziale und ökologische Standards: Minister Gerd Müller. FOTO: dpa / Britta Pedersen
Berlin. Neues Label soll für Nachhaltigkeit sowie soziale und ökologische Standards sorgen. epd

Erstmals gewährleistet ein staatliches deutsches Gütesiegel die sozial- und umweltverträgliche Produktion von Kleidung, Bettwäsche und anderen Textilien. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) stellte den „Grünen Knopf“ am Montag in Berlin vor. „Es geht um Menschlichkeit in einer globalen Welt“, sagte er. Menschenrechtsorganisationen und Umweltschützer äußerten jedoch scharfe Kritik.

Müller betonte, im Textilbereich gebe es eine der vielen Lieferketten, die in Entwicklungsländern anfingen und in deutschen Kaufhäusern endeten. Die Menschen arbeiteten dabei zum Teil wie Sklaven auf Plantagen und in Fabriken. Der Minister verwies auf den Einsturz des Fabrikhochhauses Rana Plaza im April 2013 in Bangladesch, bei dem mehr als 1100 Beschäftigte von Textilfirmen getötet wurden. Der Wille, diese Bedingungen zu ändern, habe ihn angetrieben, den „Grünen Knopf“ voranzubringen.

70 Unternehmen haben laut Ministerium bislang ihr Interesse an dem Siegel bekundet. 27 von ihnen können ab sofort Produkte verkaufen, die damit ausgezeichnet sind. Dazu gehören die Discounter Aldi und Lidl, die Firmen Hess Natur und Vaude sowie Rewe und Tchibo. Im Prüfprozess sind unter anderem Hugo Boss und die Otto-Group. Die Einführungsphase ist daher bis Ende Juni 2021 vorgesehen.

Minister Müller forderte, dass der „Grüne Knopf“ auch bei der öffentlichen Beschaffung zum Maßstab werden müsse, indem die Bundeswehr, die Polizei und Krankenhäuser künftig Textilien verwenden, die staatlich ausgezeichnet sind. Noch sei man aber weit davon entfernt, räumte er ein.

Seinen Worten nach deckt der „Grüne Knopf“ zunächst die Arbeitsschritte „Nähen“ und „Färben“ ab. Er versicherte, dass das Siegel in den kommenden Jahren auf weitere Produktionsschritte wie den Baum­woll­anbau ausgeweitet werde. Auch die Sozial- und Umweltkriterien würden kontinuierlich weiterentwickelt. Hier soll ein Beirat aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft mitwirken. Müller sprach sich für europäische gesetzliche Standards aus, für die er sich einsetzen wolle.

Die Organisation „terre des hommes“ kritisierte, dass das Siegel nicht besonders ausbeuterische Produktionsschritte in den Blick nehme, nämlich „Kinderarbeit im Baum­woll­anbau, Sklaverei in Spinnereien“.

Greenpeace hob hervor, dass nach jetzigem Stand der „Grüne Knopf“ auch auf einem T-Shirt aus pestizidbehandelter Gentechnik-Baumwolle kleben könnte. Denn die Prüfprozesse gebe es quasi erst beim Färben. Andere Siegel gingen da weiter.

Der Gesamtverband textil+mode erklärte, kein Vertrauen in das neue Siegel zu haben und kritisierte, dass „die international etablierten Siegel und Zertifizierungssysteme, in die unsere Unternehmen seit Langem viel investieren, Schaden nehmen“.

Die Menschenrechts- und Hilfsorganisation medico international kritisierte, das Siegel setze auf Freiwilligkeit und sei daher praktisch wirkungslos. Müller betreibe „Schaufensterpolitik“, statt endlich das Lieferkettengesetz auf den Weg zu bringen.

 Setzt auf soziale und ökologische Standards: Minister Gerd Müller.
Setzt auf soziale und ökologische Standards: Minister Gerd Müller. FOTO: dpa / Britta Pedersen