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| 20:06 Uhr

Regimekritischer Journalist ermordet?
Appelle an Siemens-Chef: Reise nach Riad absagen

Siemens-Chef Joe Kaeser: Noch ist nicht klar, ob er reist.
Siemens-Chef Joe Kaeser: Noch ist nicht klar, ob er reist. FOTO: dpa / Peter Kneffel
Berlin. Die Grünen haben Siemens-Chef Joe Kaeser aufgefordert, angesichts der Affäre um den saudischen Journalisten Jamal Khashoggi nicht an der Wirtschaftskonferenz in Riad in der kommenden Woche teilzunehmen.

In einem Brief der Grünen-Abgeordneten Margarete Bause und Omid Nouripour wird an Kaeser appelliert, seine Teilnahme oder die eines anderen Siemens-Vertreters an der Konferenz in Saudi-Arabien abzusagen. Weiter heißt es: „Solange der schwerwiegende Verdacht nicht aus der Welt geräumt ist, dass die saudische Führung oder ihr untergeordnete Stellen einen missliebigen Systemkritiker zum Schweigen gebracht haben, verbietet sich jedes „business as usual“.

Zahlreiche Kolleginnen und Kollegen aus mehreren Ländern sowie IWF-Direktorin Christine Lagarde hätten ihre Teilnahme an der Konferenz abgesagt, schreiben die beiden Grünen-Politiker und appellieren an Kaeser: „Nehmen Sie bitte die Verantwortung wahr, die Siemens als großes deutsches und europäisches Unternehmen dafür trägt, dass Grundwerte und elementare Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit respektiert werden; in Deutschland und weltweit.“ Kaeser hatte zuletzt eine Teilnahme an der Konferenz offen gelassen.  Auch der deutsche Außenminister Heiko Maas legte Reisepläne nach Saudi-Arabien vorerst auf Eis. Am Dienstag hatte sich Kaeser  die Teilnahme an einer Investmentkonferenz in der saudischen Hauptstadt kommende Woche weiter offengehalten. „Wenn wir aufhören, mit Ländern zu kommunizieren, in denen Menschen vermisst werden, kann ich auch gleich zu Hause bleiben“, sagte der Wirtschaftsmanager in Toronto.

Die türkische Polizei setzt unterdessen die Ermittlungen im Fall des entführten Journalisten Jamal Kashoggi fort. Die Suche wurde auf ein Waldgebiet bei Istanbul ausgeweitet. Die Staatsanwaltschaft vernahm gestern Medienberichten zufolge türkische Mitarbeiter des saudiarabischen Konsulats, in dem der Regierungskritiker Khashoggi am 2. Oktober verschwunden war. US-Präsident Donald Trump geht nach eigener Aussage auch vom Tod des „Washington Post“-Kolumnisten aus.⇥ Kommentar Seite 8