ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 13:31 Uhr

Flammen im Fokus des Umweltschutzes
Grüne im Norden sorgen für Osterfeuer-Diskussionen

 Traditionell wird mit einem Osterfeuer in der Lausitz der Winter vertrieben. Auch in Norderstedt soll dies weiter Tradition bleiben. Hinzu kommen jedoch alljährlich rund 180 private Osterfeuer, die laut Grüne Mensch und Umwelt in der 80 000-Einwohner-Stadt. Mit einem Verbot sind sie jetzt gescheitert.
Traditionell wird mit einem Osterfeuer in der Lausitz der Winter vertrieben. Auch in Norderstedt soll dies weiter Tradition bleiben. Hinzu kommen jedoch alljährlich rund 180 private Osterfeuer, die laut Grüne Mensch und Umwelt in der 80 000-Einwohner-Stadt. Mit einem Verbot sind sie jetzt gescheitert. FOTO: Marcel Kusch
Norderstedt/Cottbus. Eine Handvoll Grünen-Politiker im Norden der Republik fordert ein Osterfeuer-Verbot. Diverse Medien haben das Thema aufgegriffen, sodass es schnell auch in Social-Media-Plattformen für Diskussionen und Unverständnis gesorgt hat. Auch in der Lausitz. Doch was ist dran an der ganzen Aufregung? Von Frank Hilbert

Konkret geht es um einen Beschluss-Vorschlag des Chefs der fünfköpfigen Grünen-Fraktion im 39 Mitglieder zählenden Stadtparlament von Norderstedt, einer 80 000 Einwohner zählenden Stadt in Schleswig-Holstein vor den Toren Hamburgs.

„Wir haben mit dieser Medienaufmerksamkeit nicht gerechnet. Das ist ideologisch aufgewertet worden“, sagt Dagmar Feddern. Die 68-Jährige ist nach eigenen Angaben seit 25 Jahren bei den Grünen und sitzt als Bürgerliches Mitglied im Umweltausschuss, nicht jedoch im Stadtparlament. „Es gibt Menschen, die verlassen über Ostern die Stadt, weil wir zweieinhalb Tage eine Dunstglocke über dem Ort haben“, sagt sie. Feddern betont, es gehe den Grünen nicht um die Beschränkung der drei bis vier Brauchtums-Osterfeuer in Norderstedt, sondern um die zahlreichen privaten Osterfeuer. Das seien in der Vergangenheit rund 180 gewesen, bei denen man all das, was da verbrannt wird, „nicht sachgerecht überprüfen“ könne, wie es im Beschluss-Vorschlag von Fraktionschef Marc Muckelberg heißt.

Die Luftbelastung sei durch diese Feuer über die Feiertage insbesondere durch Feinstaub, hohe CO2-Emissionen und Giftstoffe, die bei der Verbrennung entstehen, deutlich erhöht, was „selbst für Laien mit allen Sinnen zu spüren, zu riechen und zu schmecken“ sei.

In der Lausitz haben viele Kommunen dieses Problem bereits längst umweltfreundlich gelöst. So sind in Cottbus – einer Stadt mit etwa vergleichbarer Einwohnerzahl – seit Jahren private Osterfeuer generell verboten. Allerdings würde je Ortsteil ein Osterfeuer im Rahmen der Traditionspflege genehmigt, heißt es auf Nachfrage aus dem Rathaus.

In Brandenburg, Sachsen und Thüringen werden im September und Oktober die Landtage neu gewählt. Da dürfte den Grünen im Osten diese im Norden losgetretene Osterfeuer-Diskussion gar nicht so recht in den Wahlkampf passen. Die RUNDSCHAU fragte beim frisch gewählten Brandenburger Spitzenkandidaten der Grünen, Benjamin Raschke, nach, was er von der ganzen medialen Aufregung hält: „Grundsätzlich muss das jede Gemeinde selbst entscheiden. Auch wenn das Thema in einigen Kommunen diskutiert werden sollte, sehe ich da keinen Bedarf auf Landesebene. Man soll doch die Kirche im Dorf lassen“, bringt es Raschke auf den Punkt. Er finde zudem die Traditionsfeuer zu Ostern schön.

Am Mittwoch stand der Beschluss-Vorschlag im Umweltausschuss in Norderstedt erstmals auf der Tagesordnung. Das Ergebnis: Mit vier Ja- und sieben Nein-Stimmen bei zwei Enthaltungen wurde er abgelehnt. „Wir arbeiten jedoch weiter daran“, betonte Dagmar Feddern gegenüber der RUNDSCHAU.