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Interview mit Karl-Rudolf Korte
Große Schnittmengen bei Grüne und FDP

Am heutigen Donnerstag kommen Spitzenvertreter von FDP und Grünen separat zusammen, um Chancen für eine mögliche Koalition mit der Union auszuloten. Dabei waren sich beide Parteien politisch immer spinnefeind. Die RUNDSCHAU sprach darüber mit dem Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte von der Uni Duisburg-Essen. Der 58-Jährige, der oft Wahlanalysen macht, sieht das Verhältnis zwischen beiden Parteien überraschend positiv.

Herr Korte, Grüne und FDP haben gleichermaßen viele gut situierte Anhänger. Und dennoch scheint man sich wechselseitig als Fremdkörper zu betrachten. Woran liegt das?

Korte: Tatsächlich haben Grüne und FDP große Schnittmengen unter den besser ausgebildeten und besser verdienenden bürgerlichen Wählern. Wechselseitig als Fremdkörper betrachtet haben sich immer die Funktionäre der beiden Parteien. Das hängt mit ihrer Sozialisation zusammen. Die einen standen früher mit langen Haaren und Parka in einer Schulhof-Ecke. Die anderen waren mit dem Aktenkoffer unterwegs und haben im Partykeller ihrer Eltern gefeiert. Aber mittlerweile sind diese Unterschiede nur noch ein Mythos.

Das heißt, FDP und Grüne wären in einem Jamaika-Bündnis kompatibel?

Korte: Ja, sehr gut sogar. Beide Parteien sind in ihrem Grundverständnis für eine offene Gesellschaft, europafreundlich und der Humanität verpflichtet. Übrigens auch dem Klimaschutz. Denn die FDP hat sich hier klar zum Pariser Abkommen bekannt. In den Grundlinien beider Parteien gibt es inzwischen mehr Gemeinsamkeiten als Trennendes.

Wo sehen Sie die größten Probleme?

Korte: Im Hinblick auf Asyl, Zuwanderung und Flüchtlinge gibt es sicher große Unterschiede. Während die FDP hier differenziert, sind die Grünen bereit, deutlich mehr Flüchtlinge und deren Familien aufzunehmen, aber dafür weniger Abschiebungen zu organisieren. Ein weiterer Konfliktpunkt ist auch, wie marktökonomisch Klima und Energie organisiert sein sollen und wieviel staatliche Steuerung es dabei bedarf.

Immerhin scheinen die beiden Parteichefs Lindner und Özdemir gut miteinander zu können…

Korte: Ja, das erleichtert die Verhandlungen zweifellos.

In den Grünen steckt aber nicht nur der Superrealo Özdemir, sondern auch jede Menge Trittin. Ist das kein Hindernis für Jamaika?

Korte: Nein. Jürgen Trittin kann für den linken Flügel aus einer Kultur der Differenz heraus mitverhandeln. Er ist ein Garant der Unterschiedlichkeit zur FDP und damit einer grünen Erkennbarkeit. Das ist wichtig für den grünen Parteitag, der über eine Aufnahme von Koalitionsverhandlungen entscheiden soll. Dafür müssen auch Akzente der Trittin-Linie sichtbar sein.

Mit Karl-Rudolf Korte sprach Korrespondent Stefan Vetter