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Neue Studie
Greenpeace: Kohle-Ausstieg geht ohne Blackouts

Greenpeace-Aktivisten demonstrieren am Dienstagabend während der Sondierungsgespräche von CDU, CSU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen vor der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin für den Kohleausstieg.
Greenpeace-Aktivisten demonstrieren am Dienstagabend während der Sondierungsgespräche von CDU, CSU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen vor der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin für den Kohleausstieg. FOTO: Kay Nietfeld / dpa
Berlin. Deutschland kann sein Klimaschutzziel für 2020 über das Abschalten von Kohlekraftwerken schaffen, ohne die Versorgungssicherheit zu riskieren. Das behauptet zumindest eine Studie, die Greenpeace am frühen Mittwochmorgen vorgelegt hat. Kanzlerin Merkel muss heute Farbe bekennen zu ihren Klimazielen.

Kraftwerke mit einer Gesamtkapazität von rund 17 Gigawatt könnten innerhalb der kommenden drei Jahre vom Netz gehen, ohne dass die Versorgung gefährdet wäre, heißt es in einer Kurzanalyse des Beratungsinstituts Energy Brainpool für Greenpeace. Das geht über das zuletzt bekannt gewordene Kompromissangebot der Grünen in den Jamaika-Sondierungen mit Union und FDP hinaus.

Deutschland hat sich vorgenommen, den Treibhausgas-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken, droht dieses Ziel aber klar zu verfehlen. Der CO2-Ausstoß in Deutschland könne durch das Abschalten von 16,64 Gigawatt Kohlestrom-Kapazität um 88 Millionen Tonnen pro Jahr zusätzlich sinken und das Klimaziel fast erreicht werden, heißt es in der am Mittwoch veröffentlichten Kurzanalyse. Sieben Gigawatt sollen dabei aus der Braunkohle kommen, 9,5 Gigawatt aus der Steinkohle.

„Die künftige Bundesregierung darf nicht länger zuschauen, wie Kohlekraftwerke, die niemand braucht, Deutschlands Klimabilanz ruinieren“, sagte Greenpeace-Geschäftsführerin Sweelin Heuss.

Der Klimaschutz ist eines der größten Streitthemen in den Jamaika-Sondierungen. Umstritten ist unter anderem, wie viel CO2 über das Abschalten von Kohlekraftwerksblöcken eingespart werden soll. Zwischenzeitlich hatten Union und FDP eine Reduktion um maximal fünf Gigawatt bis 2020 angeboten. Die Grünen wollten dagegen um acht bis zehn Gigawatt reduzieren.

Der Greenpeace-Vorschlag geht noch deutlich weiter. „Die Sanierung von Häusern oder Änderungen im Verkehrssektor dauern quälend lang. Es ist Augenwischerei, zu hoffen, dass solche Maßnahmen bis 2020 ausreichend zum Klimaschutz beitragen können“, sagte Heuss. „Das Gros der deutschen Klimalücke muss und kann die Kohle schließen.“

Die Sondierer der Jamaika-Koalition wollen sich am Abend zum Thema Klimaschutz zusammensetzen. Eine Einigung ist nötig. Am Donnerstag sollen die Sondierungen abgeschlossen werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht um 16 Uhr vor den Delegierten der Weltklimakonferenz in Bonn.

(dpa/bob)