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| 10:06 Uhr

Gott und die Welt
Gottesnähe durch Christi Himmelfahrt

Das Fest 40 Tage nach Ostern ist Teil der großen Heilsgeschichte des Christentums. Lothar Schröder

Himmelwärts und ausgesandt - unter diesem Motto steht heute der große Feiertagsgottesdienst des Katholikentags in Münster. Ein merkwürdiges Stichwort ist das auf den ersten Blick, weil es zwei Richtungen vorgibt, die zunächst unvereinbar scheinen: erst nach oben und dann in alle Welt?

Schwierig ist das, nach menschlichem Verstand. Und vielleicht ist daran auch der Evangelist Lukas ein wenig schuld, der Christi Himmelfahrt derart anschaulich beschrieben hat: Auf einer Wolke soll Gottes Sohn emporgehoben und dann himmelwärts gebracht worden sein. Natürlich sind wir dankbar für solche plastischen Bilder, weil sie uns das Unvorstellbare wenigstens halbwegs vorstellbar werden lassen, also vor Augen führen. Doch ist der Himmel und Gottes Sitz wirklich da oben, wo die Sonne scheint und die Wolken ziehen? Die Liturgie spricht eine andere Sprache. "Erhebet die Herzen", heißt es. Und: "Wir haben sie beim Herrn."

Die Himmelfahrt ist somit eine des Glaubens, sie beschreibt eine Gottesnähe vor allem des Herzens; sie ist nicht greifbar, sondern segensreich. Für diese Symbolik greift die biblische Geschichte auf eine beliebte Zahl zurück. Es sind 40 Tage, die von der Auferstehung Jesu bis zur Himmelfahrt vergehen. 40 Tage fastete auch Jesus in der Wüste, 40 Tage dauert unsere Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostern, 40 Tage währte die Sintflut, 40 Jahre zog das Volk der Israeliten nach dem Auszug aus Ägypten durch die Wüste.

Die Himmelfahrt ist als Ereignis zwar einzigartig, doch mit dem "Countdown" der 40 Tage wird sie Teil der großen Heilsgeschichte. Auch das Spektakuläre ist unvollständig ohne seine vielen Vorgeschichten. Wie auch die Gegenwart des Glaubens ohne Vergangenheit unverständlich und seine Zukunft nebulös bleiben muss.

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