| 17:07 Uhr

Brüssel
Glyphosat soll für weitere fünf Jahre zugelassen werden

Aktivisten protestieren vor dem EU-Hauptquartier in Brüssel mit einer Maske mit einem Foto von Jean-Claude Juncker, dem Präsidenten der Europäischen Kommission, gegen eine weitere Zulassung des Unkrautvernichters Glyphosat.
Aktivisten protestieren vor dem EU-Hauptquartier in Brüssel mit einer Maske mit einem Foto von Jean-Claude Juncker, dem Präsidenten der Europäischen Kommission, gegen eine weitere Zulassung des Unkrautvernichters Glyphosat. FOTO: Dirk Waem / dpa
Brüssel. Nach monatelangem Hin und Her steht nun fest: Der umstrittene Unkrautvernichter Glyphosat darf auch künftig in Europa verkauft werden.

Die EU-Länder haben die Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat für weitere fünf Jahre gebilligt. Dies teilte die EU-Kommission am Montag mit. 18 Mitgliedstaaten hätten für den Vorschlag der Kommission für eine Verlängerung um fünf Jahre gestimmt, neun dagegen, ein Land habe sich enthalten. Damit sei die nötige qualifizierte Mehrheit erreicht.

Die Verlängerung ist nicht nur bedeutend für Landwirtschaft und Verbraucher, sondern auch für den deutschen Chemieriesen Bayer, der den Glyphosat-Erfinder Monsanto übernehmen will. Glyphosat ist ein sehr wirksames Unkrautgift und wird weltweit in großen Mengen in der Landwirtschaft eingesetzt. Einige Wissenschaftler sehen jedoch ein Krebsrisiko. Mehr als eine Million Bürger in der EU haben gegen eine weitere Zulassung des Mittels unterschrieben.

Das Verfahren um die Neuzulassung zog sich monatelang hin, weil sich im Kreis der Mitgliedsländer lange weder dafür noch dagegen eine ausreichende Mehrheit fand. Die EU-Kommission wollte zunächst eine Verlängerung um zehn, dann sieben, dann fünf Jahre. Damit setzte sie sich jetzt durch.

Das Europaparlament hatte sich im Oktober dafür ausgesprochen, Glyphosat ab sofort nur noch sehr eingeschränkt zuzulassen und bis 2022 schrittweise zu verbieten.

Wirksam ist es, aber womöglich auch krebserregend: Um das Herbizid Glyphosat streiten die Experten. Verbraucher kommen mit dem Unkrautgift vor allem an zwei Stellen in Berührung: direkt im eigenen Garten und indirekt im Supermarkt. An beiden Stellen ist ein Verzicht möglich.

Nahrungsmittel: Glyphosat ist in der Landwirtschaft weit verbreitet und findet sich deshalb auch in Nahrungsmitteln - und zwar nicht nur in denen, die direkt vom Feld kommen. „Glyphosat kann über das Futtermittel zum Beispiel auch ins Fleisch gelangen“, sagt Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg. Auch in anderen Produkten wie Bier wurde nach Angaben der Verbraucherschützer schon Glyphosat entdeckt.

„Relativ sicher ist man nur da, wo gar keine Herbizide zum Einsatz kommen“, sagt Schwartau – also bei Bio-Produkten. Hundertprozentig ist diese Sicherheit aber auch nicht. Denn Wind oder Gewässer können das Unkrautgift vom Nachbarfeld zum Bio-Bauern tragen.

Es ist aber gut möglich, dass es dafür in Zukunft weniger Gelegenheit gibt: „Ich kann mir schon vorstellen, dass auch viele konventionelle Bauern auf Glyphosat verzichten, um auf sich aufmerksam zu machen“, sagt Schwartau. „So wie das jetzt schon bei der Gentechnik ist.“

Pflanzenschutzmittel: Auch für den Hausgarten gibt es Produkte, in denen Glyphosat steckt. Natur- und Verbraucherschützer raten grundsätzlich, auf solche Pflanzenschutzmittel zu verzichten. Zumal sich Unkraut nicht so leicht ausbreiten kann, wenn Hobbygärtner regelmäßig den Boden hacken oder jäten. Eine umweltfreundliche Methode ist auch das Mulchen oder Pflanzen von Bodendeckern. Beides bedeckt die Erde so dicht, dass Unkraut kein Raum zum Gedeihen bleibt.

Außerdem sind heimische Pflanzen, deren Wachstumsbedingungen auch zum Standort passen, grundsätzlich stärker und können Konkurrenten - wie Unkrautpflanzen es sind - eher unterdrücken.

Wer dennoch zu Unkrautvernichtungsmittel greifen möchte, findet aber auch Alternativen zu Produkten mit Glyphosat. „Verhältnismäßig umweltverträglich“ sind laut Umweltbundesamt die natürlichen Wirkstoffe Essig- und Pelargonsäure. Sie gelten als weniger schädlich.

(dpa/fh)