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| 18:32 Uhr

Gerechtigkeit
Gleichstellung der Geschlechter kommt nur langsam voran

 Venussymbole stehen auf der Wiese des „Parque de la Luz“ (Park des Lichtes) in Mexiko-Stadt. Die von den Vereinten Nationen organisierte Kampagne zielt darauf ab, geschlechtsspezifische Gewalt zu thematisieren.
Venussymbole stehen auf der Wiese des „Parque de la Luz“ (Park des Lichtes) in Mexiko-Stadt. Die von den Vereinten Nationen organisierte Kampagne zielt darauf ab, geschlechtsspezifische Gewalt zu thematisieren. FOTO: dpa / Jessica Espinosa
Berlin/Paris. Berlin feiert die Frauen. Doch ein OECD-Bericht kündet davon, dass in Sachen Gleichberechtigung weltweit großer Nachholbedarf besteht.

( Am gestrigen Internationalen Frauentag sind in Berlin Tausende Menschen auf die Straße gegangen. Zum ersten Mal war in der Hauptstadt der Frauentag arbeitsfrei. Als einziges Bundesland hat Berlin den Internationalen Frauentag am 8. März zum gesetzlichen Feiertag erklärt. „Wie kein anderes Datum steht der 8. März für den langen Weg hin zur Gleichstellung der Geschlechter“, hatte Regierungschef Michael Müller (SPD) dazu erklärt.

In Berlin-Kreuzberg starteten Frauen zu einer Fahrraddemonstration am Mariannenplatz. Soldatinnen der Bundeswehr verteilten Rosen am Brandenburger Tor. Die Grünen-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus benannte eine Straße am Alexanderplatz in „Margarete-Poehlmann-Straße“ um – in Gedenken an die erste Frau, die in der Preußischen Landesversammlung eine Rede hielt.

Am Internationalen Frauentag fordern weltweit zahlreiche Organisationen die volle soziale, wirtschaftliche, kulturelle und politische Gleichstellung von Frauen. Der Frauentag wurde auf Anregung der deutschen Sozialdemokratin Clara Zetkin erstmals am 19. März 1911 in Deutschland und in Nachbarländern organisiert. Seit 1921 wird er jährlich am 8. März gefeiert. 1977 erkannte die UN-Generalversammlung den 8. März als Internationalen Frauentag an.

Trotz zahlreicher Reformen in vielen Ländern kommt die Gleichstellung der Geschlechter allerdings nur langsam voran. Das hat eine neue Studie der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) zutage gebracht. Vor allem tief verwurzelte Vorurteile und soziale Normen sorgten dafür, dass politische Verpflichtungen und Reformen oft nur halbherzig umgesetzt würden, heißt es in dem am Freitag in Paris veröffentlichten Bericht, für den 180 Länder untersucht wurden. Demnach reduziert das derzeitige Maß an Diskriminierung das Welteinkommen um sechs Billionen Dollar oder 7,5 Prozent.

Den OECD-Experten zufolge verbietet immer noch knapp die Hälfte (88) der untersuchten Länder Frauen, bestimmte Berufe auszuüben. In 24 Ländern brauchten Frauen die Erlaubnis des Ehemannes, um zu arbeiten. In einer Mehrheit (108) der Länder gebe es Bedingungen für eine legale Abtreibung wie etwa, dass das Leben der Mutter in Gefahr sei. In 32 der untersuchten Länder sei es Frauen verboten, für eine bestimmte Zeit lang nach der Scheidung wieder zu heiraten. In 29 Ländern hätten Witwen oder Töchter im Erbrecht nicht dieselben Rechte wie Witwer oder Söhne.

Der Bericht kommt außerdem zu dem Ergebnis, dass Frauen in allen Regionen der Welt in ihrer eigenen Familie die größte Diskriminierung erfahren. Demnach übernehmen Frauen 75 Prozent der unbezahlten Hausarbeit und Betreuung. In 27 Ländern seien Frauen gesetzlich verpflichtet, ihrem Ehemann zu gehorchen. Auch in Europa und in Nord- und Südamerika würden Frauen vor allem über die traditionelle Rolle als Mutter und Hausfrau definiert.

Der Sozialinstitutionen- und Gender-Index (SIGI) analysiert, wie Gesetze, soziale Normen und Praktiken auf der Grundlage des Geschlechts diskriminieren. Der Bericht zeigt auf, wie gesetzliche Regelungen zur Gleichstellung der Geschlechter beitragen können.

Die OECD ist eine internationale Organisation mit 36 Mitgliedstaaten, die sich der Demokratie und Marktwirtschaft verpflichtet fühlen. Die meisten Mitglieder gehören zu den Ländern mit hohem Pro-Kopf-Einkommen und gelten als entwickelte Länder.

 Venussymbole stehen auf der Wiese des „Parque de la Luz“ (Park des Lichtes) in Mexiko-Stadt. Die von der Vereinten Nationen organisierte Kampagne zielt darauf ab, geschlechtsspezifische Gewalt zu thematisieren.
Venussymbole stehen auf der Wiese des „Parque de la Luz“ (Park des Lichtes) in Mexiko-Stadt. Die von der Vereinten Nationen organisierte Kampagne zielt darauf ab, geschlechtsspezifische Gewalt zu thematisieren. FOTO: dpa / Jessica Espinosa