ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 10:46 Uhr

Düsseldorf
Gewalt gegen Lehrer nimmt zu

Düsseldorf. Jede dritte Schule in NRW berichtet von körperlichen Angriffen auf Pädagogen. Marc Latsch und Frank Vollmer

Jede dritte Schule in NRW berichtet von körperlichen Angriffen auf Pädagogen.

Düsseldorf Gewalt gegen Lehrer gehört an vielen Schulen in Nordrhein-Westfalen zum Alltag. Zu diesem Ergebnis kommt eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Lehrerverbands Bildung und Erziehung (VBE). 35 Prozent der befragten Schulleiter in NRW gaben darin an, an ihrer Schule habe es in den vergangenen fünf Jahren Fälle körperlicher Gewalt gegen Lehrer gegeben. Nordrhein-Westfalen liegt damit über dem Bundesdurchschnitt: Insgesamt bejahten nur 26 Prozent der Schulleiter diese Frage.

Für die Erhebung befragte Forsa 1200 Schulleitungen, davon 252 in NRW. Bundesweit berichteten 48 Prozent der Schulleiter von psychischer Gewalt, also etwa Beschimpfungen und Mobbing. 20 Prozent gaben an, an ihrer Schule seien Lehrkräfte im Internet bedroht worden. Während NRW beim Cybermobbing mit 17 Prozent knapp unter dem Schnitt liegt, liegt der Wert für psychische Gewalt um sieben Punkte darüber. Bereits 2016 hatte der VBE Lehrer befragen lassen; auch damals schnitt NRW besonders schlecht ab.

"Wenn es um Gewalt gegen Lehrkräfte geht, dann belegt Nordrhein-Westfalen also Spitzenplätze. Geht es um Investitionen in Bildung, ist es leider nur im Tabellenkeller zu finden", sagte VBE-Landeschef Stefan Behlau. "Wir sehen hier Zusammenhänge, denn ohne angemessene Ressourcen ist Gewaltprävention schwer möglich." Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) zeigte sich alarmiert. "Gewalt gegen Lehrkräfte ist kein Berufsrisiko", betonte sie: "Gewalt darf an unseren Schulen keinen Platz haben. Hier gibt es keine Toleranz."

Gewalt gegen Lehrer wird in NRW nach Angaben des Schulministeriums nicht zentral erfasst. Ein Sprecher verwies auf die Kriminalstatistik, in die auch angezeigte Angriffe auf Lehrer einflössen. 2017 gab es demnach 22.900 Straftaten an Schulen in NRW, davon 3146 Körperverletzungen. Beide Zahlen stiegen im Vergleich zum Vorjahr. Warum, kann sich das Ministerium nach eigenen Angaben nicht erklären.