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| 14:42 Uhr

Kriminalstatistik
Gewalt gegen Kinder nimmt in Deutschland zu

Gewalt gegen Kinder ist in Deutschland immer noch trauriger Alltag.
Gewalt gegen Kinder ist in Deutschland immer noch trauriger Alltag. FOTO: Fotolia
Berlin. Täglich leiden Kinder in Deutschland unter Gewalt. Die Kinderhilfe und das Bundeskriminalamt haben am Dienstag die Kriminalstatistik des Jahres 2017 vorgestellt.

Nach Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik hat die Gewalt gegen Kinder leicht zugenommen. So starben im vergangenen Jahr 143 Kinder an den Folgen von Gewalt, wie der Präsident des Bundeskriminalamtes Holger Münch am Dienstag in Berlin erklärte . Fast 80 Prozent von ihnen waren danach jünger als sechs Jahre. 2016 starben 133 Kinder. Besonders gestiegen seien die Fallzahlen zum Besitz und zur Verbreitung von kinderpornografischem Material.

Einen leichten Rückgang weist die Statistik im Bereich sexuelle Gewalt aus. Mit 13 539 Kindern seien es rund 3,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Zudem gab es danach 4208 angezeigte Fälle, bei denen Kinder schwer misshandelt wurden. Auch diese Zahl stieg gegenüber dem Vorjahr leicht an. Zudem seien rund 6500 Fälle von Kinder- und 1300 Fälle von Jugendpornografie polizeilich erfasst worden.

FOTO: dpa-infografik / dpa-infografik GmbH

Münch forderte Verbesserungen bei der Vorratsdatenspeicherung. Vielen Hinweisen aus der USA habe die Kriminalpolizei in Deutschland nicht nachgehen können, weil etwa die IP-Adresse nicht mehr gespeichert gewesen sei. Da die meisten Taten im Umfeld der Kinder begangen würden, appellierte er dazu wachsam zu sein. "Wer wegschaut, trägt eine Mitverantwortung", so Münch.

Holger Münch (l.), Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), und Rainer Becker, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Kinderhilfe, stellen Zahlen und Fakten aus der Polizeilichen Kriminalstatistik 2017 vor.
Holger Münch (l.), Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), und Rainer Becker, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Kinderhilfe, stellen Zahlen und Fakten aus der Polizeilichen Kriminalstatistik 2017 vor. FOTO: dpa / Britta Pedersen

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, forderte mehr Maßnahmen zur Bekämpfung von Missbrauchsabbildungen im Internet gefordert. Das Risiko sei gestiegen, dass Kinder etwa beim Chatten oder bei Online-Spielen Opfer sexueller Gewalt würden, sagte Rörig. Die Bundesregierung müsse stärker dagegen vorgehen.

Rörig mahnte eine bessere personelle und technische Ausstattung für Strafverfolgung und Gerichte an. Es fehlten derzeit bis zu 2000 Richter und Staatsanwälte. Vor allem bei der Strafverfolgung von Cyberkriminalität gegen Kinder und Jugendliche müsse die Politik erheblich aufstocken. Zudem müsse die technische Ausstattung der Strafverfolgungsbehörden schnellstmöglich auf den neusten Stand gebracht werden. Opfer müssten verbesserte Unterstützungsangebote erhalten. Dringend notwendig sei eine Modernierung des Jugendmedienschutzes. Er sprach sich weiter für ein neues Schulfach zur Medienkompetenz aus.

Rörig plädierte auch dafür, die Höchststrafe für den Besitz von sogenannten kinderpornografischen Abbildungen, die derzeit drei Jahre beträgt, auf fünf Jahre anzuheben. Die Bundesländer sollten bei der Fahndung nach Tätern stärker unterstützt werden. Dies könne etwa durch Schulfahndungen geschehen, bei denen Lehrern Ausschnitte der Abbildungen vorgelegt werden, bei denen der Missbrauch selbst nicht zu sehen ist, das Kind aber identifizierbar ist.

Der Mediziner Jörg M. Fegert forderte ein regelmäßiges Monitoring. Viele Fälle von Misshandlung oder Missbrauch würden nicht wahrgenommen. Auch Ärzte müssten weiter geschult werden. Zudem müsse es endlich eine geregelte Finanzierung von Beratungsstellen geben, so Fegert, der auch Leiter des Kompetenzzentrums Kinderschutz in der Medizin ist.

(kna)