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| 19:03 Uhr

Politik
Getränkeverpackung als Klimakiller

Das Thema Plastikmüll steht immer mehr im Fokus. Ende September wurde in Berlin mit der Aktion „#GoodbyePlasticBottles“ gegen den zunehmenden Plastikmüll demonstriert. Dabei präparierten zwei Männer auf der Spree einen 300 Quadratmeter großen Plastikteppich – überwiegend aus Einwegflaschen.
Das Thema Plastikmüll steht immer mehr im Fokus. Ende September wurde in Berlin mit der Aktion „#GoodbyePlasticBottles“ gegen den zunehmenden Plastikmüll demonstriert. Dabei präparierten zwei Männer auf der Spree einen 300 Quadratmeter großen Plastikteppich – überwiegend aus Einwegflaschen. FOTO: dpa / Wolfgang Kumm
Berlin. Die Deutsche Umwelthilfe zieht Bilanz und fordert Abkehr von Einwegflaschen und -bechern. Von Stefan Vetter

Der scheinbar unaufhaltsame Vormarsch von Einwegflaschen und -verpackungen ist ein echter Klimakiller. Zu diesem Schluss kommt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) nach einer Auswertung einschlägiger Studien. Der Verband wirbt nun für ein Umdenken.

Früher war die Sache einfach: Mehrweg galt als gut, Einweg als schlecht. Doch seit Einführung des Pfandes auf bestimmte Einwegverpackungen vor nunmehr 15 Jahren hat sich das Bild gründlich gewandelt. Lag die Mehrwegquote damals bei 63 Prozent, so sind es aktuell nur noch 42,8 Prozent. Deutlich mehr als die Hälfte der Getränke in Deutschland werden also aus Einwegverpackungen konsumiert. An der glatten Umkehrung des vormaligen Verhältnisses haben die Discounter einen entscheidenden Anteil. Viele von ihnen bieten Mineralwasser und andere nicht alkoholische Getränke nur noch in Einwegflaschen an.

Unter dem Strich machen Getränkeverpackungen etwa zehn Prozent des gesamten Verpackungsmülls in Deutschland aus. Dazu zählen übrigens auch Einwegbecher, die sich durch den „Coffe-to-go“-Konsum großer Beliebtheit erfreuen. Nach Angaben des DUH sind das in Deutschland pro Jahr immerhin fast drei Milliarden Stück. Hinzu kämen 16 Milliarden Einweg-Plastikflaschen sowie 2,7 Milliarden Getränkedosen.

Der DUH-Experte für Kreislaufwirtschaft, Thomas Fischer, warnte am Donnerstag in Berlin vor den klimaschädlichen Folgen dieser Entwicklung. „Allein durch die konsequente Nutzung wiederbefüllbarer Coffe-to-go-Mehrwegbecher könnte jedes Jahr der Ausstoß von mehr als 110 000 Tonnen des Treibhausgases C02 vermieden werden“, erklärte der Fachmann. Umgerechnet würde das dem Schadstoffausstoß von rund 30 000 Pkw mit einer durchschnittlichen Laufleistung von 15 000 Kilometern im Jahr entsprechen. Würde man sämtliche alkoholfreien Getränke nur noch in Mehrwegflaschen anbieten, könnte der CO2-Ausstoß laut DUH sogar um 1,25 Millionen Tonnen im Jahr sinken. „Nach Auswertung aller einschlägigen Studien ist das Ergebnis eindeutig: Mehrweg schlägt Einweg beim Klimaschutz“, bilanzierte Fischer.

Dagegen hatte die Industrievereinigung Kunstoffverpackungen (IK) schon vor einigen Monaten darauf hingewiesen, dass PET-Einwegflaschen mittlerweile leichter geworden seien und einen höheren Anteil an recyceltem Kunststoff enthielten. Nach einer von der IK in Auftrag gegebenen Untersuchung schnitt die Mehrwegflasche aus Kunststoff bei der Ökobilanz aber trotzdem am besten ab. Auch bei der DUH kommt die PET-Mehrwegflasche auf Platz eins. Sie lässt sich etwa 20-mal wiederverwenden. Die Mehrwegflasche aus Glas kann zwar bis zu 50-mal wiederbefüllt werden. Dennoch schneidet sie etwas schlechter ab, weil sie schwerer ist und für ihre Herstellung relativ viel Energie verbraucht wird. Als nicht empfehlenswert stufte DUH-Experte Fischer die Einwegflaschen aus Glas oder Kunststoff sowie Getränkekartons und Dosen ein.

Mit der Nutzung von Mehrwegflaschen und -bechern könne jeder Mensch zum Klimaschützer werden, betonte die stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz. Diese Botschaft steht auch im Mittelpunkt einer Kampagne, die der Verband am Donnerstag startete. Neben den Verbrauchern sollen damit insbesondere Gastronomen, Unternehmen, Vereine sowie Vertreter von Kommunen angesprochen werden.

Als bundesweit positives Beispiel gilt hier die Hamburger Stadtverwaltung. Sie hatte schon vor zwei Jahren einen Leitfaden für eine umweltfreundliche, öffentliche Beschaffung verabschiedet. Demnach dürfen die Behörden des Stadtstaates zum Beispiel keine Kaffeemaschinen mit Alukapseln anschaffen. Einwegflaschen und Einweggeschirr sind ebenfalls tabu.