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| 17:25 Uhr

Politik
„Generation Mitte“ in Sorge

Angst um die Rente und das finanzielle Auskommen belasten die Generation Mitte.
Angst um die Rente und das finanzielle Auskommen belasten die Generation Mitte. FOTO: dpa / Oliver Berg
Berlin. Allensbach-Umfrage sieht Zwiespalt zwischen persönlicher und gesellschaftlicher Lage. Von Stefan Vetter

Den Deutschen im Alter zwischen 30 und 59 Jahren geht es insgesamt so gut wie nie. Allerdings fürchtet die „Generation Mitte“ zunehmend um gesellschaftlichen Zusammenhalt und politische Stabilität im Land. Das sind die zentralen Ergebnisse einer repräsentativen Befragung des Allensbach-Instituts, die am Mittwoch in Berlin veröffentlicht wurde. Nachfolgend die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick:

Was ist der Generation Mitte besonders wichtig?

Die Gesundheit, sagen mit 90 Prozent die Allermeisten. Auf den folgenden Plätzen rangieren eine glückliche und stabile Partnerschaft (83 Prozent), finanzielle Unabhängigkeit (82 Prozent) und ein guter Freundeskreis (78 Prozent). Auffällig: Die Sparsamkeit, einst eine Tugend, ist völlig aus der Mode gekommen. Auf der Skala von 23 möglichen Antworten zu den wichtigsten Dingen im Leben, kommt „Sparsam leben“ mit nur 14 Prozent Zustimmung auf  den letzten Platz. Gleichzeitig fürchtet aber mehr als die Hälfte der Befragten eine unsichere Rente sowie eine Einschränkung des Lebensstandards im Alter. Und mehr als jeder Dritte hat Angst, dass sein Einkommen schon in den nächsten Jahren nicht ausreichen könnte. Zwischen solchen Befürchtungen und dem mangelnden  Vorsatz, selbst etwas dagegen zu tun, klafft also eine Lücke.

Wie steht es um die eigene Lebenslage?

42 Prozent der Menschen im mittleren Alter sagen, dass es ihnen heute besser geht als vor fünf Jahren. 40 Prozent sehen keine Veränderungen. Knapp jeder Fünfte  beklagt eine Verschlechterung seiner Lage. Optimistisch ist eine große Mehrheit auch für die Zukunft. Gut drei Viertel der Befragten rechnen in den kommenden fünf Jahren mit weiteren Verbesserungen beziehungsweise keinen Veränderungen. Allerdings geht die Schere zwischen den sozialen Schichten dabei weit auseinander. So sorgt sich jeder Vierte unter den Einkommensschwächeren um seinen Arbeitsplatz. In der mittleren Schicht tut das nur etwa jeder Zehnte. Und während es heute 55 Prozent der Menschen mit höherem sozialen Status besser geht als vor fünf Jahren, geht es 37 Prozent der Menschen mit niedrigerem Status heute schlechter als damals.

Was verunsichert die Bürger?

Die mittlere Genration ist laut Allensbach-Chefin Renate Köcher ebenso wie die gesamte Bevölkerung „im Zwiespalt“ zwischen wachsender Zufriedenheit mit der materiellen Situation und dem Unbehagen über die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen. So glauben aktuell nur noch 27 Prozent, dass die Politik für Sicherheit und stabile Verhältnisse sorgen kann. Damit hat sich dieser Anteil innerhalb von nur drei Jahren fast halbiert. Zwei Drittel halten den gesellschaftlichen Zusammenhalt für schwach oder sehr schwach.  Ebenso viele haben den Eindruck, dass sich diese Entwicklung beschleunigt. Im Jahr 2015  fürchteten 56 Prozent  der Befragten um den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Jetzt sind es 67 Prozent.

Plagen die Bürger auch Abstiegsängste?

Wegen der guten Konjunktur und der anhaltend positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt spielt dieses Thema in der mittleren Generation nur eine untergeordnete Rolle. So hat sich der Anteil derer, die sich als akut als abstiegsgefährdet einstufen, in den letzten zwei Jahren von 15 auf elf Prozent reduziert. Gleichzeitig werden die Aufstiegschancen günstiger beurteilt als damals. 2016 waren hier 46 Prozent der Befragten optimistisch. Jetzt sind es 58 Prozent.

Wie kam die Umfrage zustande?

Die Allensbach-Befragung im Auftrag der Versicherungswirtschaft wurde zum sechsten Mal durchgeführt. Die Interviews mit insgesamt 1048 Frauen und Männer im Alter zwischen 39 und 59 Jahren fanden im Juli dieses Jahres statt.