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| 07:35 Uhr

Düsseldorf
G 9 kostet mindestens 518 Millionen Euro

Düsseldorf. Ein Gutachten summiert die Bau-, Betriebs- und Ausstattungskosten für das neunjährige Gymnasium. Henning Rasche und Frank Vollmer

Ein Gutachten summiert die Bau-, Betriebs- und Ausstattungskosten für das neunjährige Gymnasium.

Die Umstellung auf die neunjährige Gymnasialzeit (G 9) in Nordrhein-Westfalen wird mehr als 518 Millionen Euro kosten. Ein Gutachten, das die Landesregierung gestern vorgestellt hat, benennt diese Summe als einmalige Investitionskosten für Neu- und Umbau von Schulen im ganzen Land. Hinzu kommen dauerhaft jährlich 31 Millionen Euro mehr für den Unterhalt der Gebäude, also etwa Kosten für Hausmeister oder Putzpersonal. Noch nicht einberechnet sind die Personalkosten für die notwendigen 2300 zusätzlichen Gymnasiallehrer. Die Summe hierfür beläuft sich laut NRW-Schulministerium nach der vollständigen Umstellung auf etwa 115 Millionen Euro pro Jahr.

Trotz der immensen Kosten hält die Landesregierung an ihrem Vorhaben fest. Mathias Richter (FDP), Staatssekretär im Schulministerium, sagte: "Es gibt überhaupt keinen Zweifel daran, dass wir zu G 9 zurückkehren." Das Gutachten sei eine gute Grundlage für Gespräche mit den Kommunen. Die Bildungsforscher Klaus Klemm, Kerstin Schneider und Anna Makles haben es aus Daten der 500 öffentlichen Gymnasien, der 232 Schulträger, also der Kommunen, und aus der Schulstatistik erstellt.

Im Sommer 2019 sollen die Gymnasien zu G 9 zurückkehren; Schulen, die bei G 8 bleiben wollen, brauchen dafür eine Mehrheit von zwei Dritteln plus einer Stimme in ihrer Schulkonferenz. Die "Leitentscheidung" gilt nur für die öffentlichen, nicht für die 114 privaten Gymnasien. Ministerin Yvonne Gebauer (FDP) rechnet damit, dass mehr als 90 Prozent der Gymnasien zu G 9 zurückkehren.

Die Landesregierung muss jetzt auf der Grundlage des Gutachtens mit den Kommunalverbänden über das Geld verhandeln - weil die Entscheidung Kosten für die Schulträger auslöst, haben sie einen Anspruch auf Erstattung. Das entsprechende Gesetz muss spätestens mit dem G 9-Gesetz in Kraft treten, also zum 1. August 2019. Denkbar sind dafür zwei Modelle: dass im Voraus eine feste Summe vereinbart wird, die alle Kosten abdeckt, oder dass die Kommunen ihre konkreten Kosten dem Land nachweisen und nachträglich erstattet bekommen.

Städtetag, Landkreistag und Städte- und Gemeindebund NRW erklärten: "Die Kommunen erwarten, dass das Land die Mehrkosten für den Umstieg auf G 9 vollständig erstattet." Die Verbände rechnen mit einem höheren Raumbedarf in den Schulen als das Gutachten.

Die Stadt Düsseldorf hat ihre Kosten bereits auf mehr als 100 Millionen Euro geschätzt, Essen auf mindestens 45 Millionen - weil die Schulen durch G 9 wieder einen Jahrgang gewinnen, brauchen sie ab 2026 mehr Platz. Allein die Stadt Köln rechnet mit einem zusätzlichen Bedarf von 150 Klassenzimmern und 50 Fachräumen.