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| 09:54 Uhr

Für immer Sommerzeit?
So denken Lausitzer über die Zeitumstellung

Zeitumstellung im Frühling und im Herbst wie in jedem Jahr seit 1980 - oder abschaffen? Das wird in der Lausitz diskutiert wie derzeit überall in Europa.
Zeitumstellung im Frühling und im Herbst wie in jedem Jahr seit 1980 - oder abschaffen? Das wird in der Lausitz diskutiert wie derzeit überall in Europa. FOTO: dpa / Federico Gambarini
Cottbus. Die EU-Kommission kündigt an: Bald soll für immer die Sommerzeit gelten. Auf LR Online sagen Bürgermeister, Unternehmensvertreter, ein Landwirt, eine Schulleiterin und ein Schlaf-Mediziner, was für oder gegen die bisherige Zeitumstellung spreche. Von unseren Redakteuren

Bengt Kanzler (parteilos), Bürgermeister von Vetschau: „Wir haben in den vergangenen Jahren in unserer Verwaltung keinerlei Schwierigkeiten durch die Zeitumstellung ausmachen können“, sagt der Chef der Stadtverwaltung. Insofern sei das für ihn und die Abgeordneten kein Thema. „Persönlich bevorzuge ich aber die Sommerzeit – ganz einfach, weil es dann länger hell ist“, so Kanzler.

Bengt Kanzler, Bürgermeister von Vetschau.
Bengt Kanzler, Bürgermeister von Vetschau. FOTO: Stadt Calau

Robert Schirrock, Goldschmiedemeister aus Weißwasser: „Wir merken die Zeitumstellung alljährlich am erhöhten Arbeitsaufkommen. Denn viele Leute bringen dann ihre defekten Uhren zur Reparatur. Ein Riesenumsatz ergibt sich daraus aber nicht. In unserem Schmuck- und Uhrengeschäft in Weißwasser müssen wir zur Zeitumstellung rund 1800 Zeitmesser in die Hand nehmen. Ich persönlich habe mit der Zeitumstellung keine Probleme, stelle mich halt immer darauf ein.“

Bernd Schäfer, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Gahry (Spree-Neiße): „Wir sind dafür, dass es keine Zeitumstellung mehr gibt. Das wäre für alle einfacher: für die Tiere, aber auch uns Menschen. Denn für meine Kollegen und mich ist die Umstellung schon immer eine Belastung für den Körper.“ Auch seine Tiere müssten die Zeitumstellung verkraften, würden dementsprechend eher oder später gemolken. „Doch das gleicht sich irgendwann aus und ist für die Tiere nicht so sehr gravierend“, sagt Bernd Schäfer. Trotzdem wäre alles mit einer geltenden Zeit besser zu regeln.

Bernd Schäfer, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Gahry.
Bernd Schäfer, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Gahry. FOTO: LR / Katrin Kunipatz

Gerd Engelmann, stellvertretender Bürgermeister Bad Liebenwerda und Leiter Kommunalservice: „Die Zeitumstellung hat für uns nur geringe Auswirkungen. Wir müssen lediglich die Rathausuhr umstellen und an einigen, wenigen Straßenlampen noch händisch Einstellungen vornehmen. Alle anderen laufen dämmerungsgesteuert. Mehr als 90 Prozent sind auf LED mit ohnehin geringem Stromverbrauch umgestellt.“

Dana Hüttner, Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg als Betreiber des Strandhotels am Senftenberger See: Auf den Betrieb des Strandhotels hat die Zeitumstellung gar keine Auswirkungen. „Wir haben ja keinen 24-Stunden-Betrieb. Da merkt man überhaupt nichts“, teilt sie mit. Auch auf das Buchungsverhalten oder das Gäste-Aufkommen nehme die Zeitumstellung keinen Einfluss. Persönlich favorisiert die Marketing-Chefin des Verbandes die Abende, an denen es länger hell bleibt – also die Sommerzeit. Auch für Urlauber sei das ja schöner. „Sie können länger im Restaurant oder auf der Terrasse sitzen und den Blick auf den Senftenberger See genießen“, sagt Dana Hüttner.

Dana Hüttner vom Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg
Dana Hüttner vom Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg FOTO: Steffen Rasche

Ansgar Große, stellvertretender Bürgermeister in Elsterwerda: „Fragen Sie mich das persönlich? Mich nervt das schon, ich komme nach der Umstellung nicht so recht in Tritt. Aber für die Stadt gibt es keine Probleme. Ich glaube persönlich auch nicht an die Effekte hinsichtlich Stromeinsparungen.“

Dr. Frank Käßner, Schlafmediziner in Cottbus: „Aus schlafmedizinischer Sicht ist es vernünftig, auf die Zeitumstellung zu verzichten. Ältere Menschen, sensible Schläfer und vor allem Frauen leiden darunter, wenn der Biorhythmus so gestört wird. Wir haben durch den Klimawandel schon genügend Probleme, da sollten wir uns nicht noch welche schaffen. Für den Organismus der Menschen wie auch der Tiere ist die Winterzeit am besten. Seit Jahrmillionen haben sich alle Lebewesen an diese Zeit angepasst.“

Frank Käßner, promovierter Schlafmediziner aus Cottbus.
Frank Käßner, promovierter Schlafmediziner aus Cottbus. FOTO: Lausitzer Golfclub e.V.

Burkhard Ahlert, Sprecher der Deutschen Bahn in Brandenburg: Aus seiner Sicht bedeutet der Wegfall der Sommerzeit einen logistischen Aufwand. Wenn man in Betracht ziehe, dass Anmeldungen für Züge oder Veränderungen im Fahrplan etwa ein bis zwei Jahre Vorlauf haben, dann werde eine Dimension deutlich. „Letztlich aber“, sagt der Bahnsprecher, „würde der Wegfall der Sommerzeit – allein was die Umstellung der Fahrpläne betrifft – für die Zukunft durchaus Vorteile für die Bahn und die Reisenden bringen.

Burkhard Ahlert, Sprecher der Deutschen Bahn AG in Brandenburg
Burkhard Ahlert, Sprecher der Deutschen Bahn AG in Brandenburg FOTO: Deutsche Bahn

Monika Lehmann, Leiterin des Grundschulzentrums Bad Liebenwerda: „Die Zeitumstellung spüren wir bei unseren Kindern nicht. Generell sind die Montage diejenigen, wo die Kinder am Morgen etwas brauchen, um sich wieder auf die Schule zu konzentrieren. Oder wenn es ein ganzes Wochenende geregnet hat und die Kinder nur drin hocken konnten. Da sind sie manchmal wie aufgedreht. Sicher ist das zeitigere Aufstehen, besonders für unsere Buskinder, am Anfang nicht einfach. Ansonsten plädiere ich wie viele meiner Kolleginnen für den Beibehalt der Sommerzeit.“