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| 17:45 Uhr

Grüne
Özdemir wirft seinen Hut in den Ring

 Cem Özdemir, der frühere Bundesvorsitzende der Grünen, tritt bei der Neuwahl des Fraktionsvorstands am 24. September gemeinsam mit der Bremer Abgeordneten Kirsten Kappert-Gonther an.
Cem Özdemir, der frühere Bundesvorsitzende der Grünen, tritt bei der Neuwahl des Fraktionsvorstands am 24. September gemeinsam mit der Bremer Abgeordneten Kirsten Kappert-Gonther an. FOTO: dpa / Michael Kappeler
Berlin . Früherer Grünen-Vorsitzender drängt mit der Parteilinken Kappert-Gonther an die Fraktions-Spitze.

Bei den Grünen ist ein Machtkampf um die Fraktionsspitze entbrannt. Ex-Parteichef Cem Özdemir aus Stuttgart und die Bremerin Kirsten Kappert-Gonther haben angekündigt, bei der Neuwahl des Fraktionsvorstands am 24. September Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter ablösen zu wollen. In ihrem am Sonntag veröffentlichten Bewerbungsschreiben kritisieren die Herausforderer indirekt die Führungsschwäche der Amtsinhaber. Zusammenarbeit bestehe nicht nur aus „Zuarbeit aus fein parzellierten Kleingärten“, heißt es da. Die Fraktion müsse ihre Stärken künftig besser ausspielen.  „Wir sind überzeugt davon, dass ein fairer Wettbewerb der Fraktion gut tut – nach außen wie nach innen“, schreiben der 53-jährige Özdemir und die 52-jährige Kappert-Gonther in ihrer Bewerbung. Bis zur Bundestagswahl gehe es darum, auch als kleinste Fraktion im Parlament „mit neuem Schwung der Gegenpol einer schwachen Regierung zu sein“. Die beiden stellen darin klar, dass sie für den nächsten Wahlkampf im Bund keine Spitzenkandidatur anstreben. Dafür gelten die Parteichefs Annalena Baerbock und Robert Habeck als gesetzt.

Hofreiter und Göring-Eckardt verteidigten daraufhin ihren Führungsstil. Man habe „die Fraktion immer mit einem Blick für den Zusammenhalt und Ausgleich geführt“, sagte Hofreiter. Er begrüße aber, dass es zwei weitere Bewerber gebe. Göring-Eckardt betonte: „Auswahl ist immer gut.“

Die Ankündigung fällt in eine Phase, in der die Grünen auch dank ihres geschlossenen Erscheinungsbilds in den Umfragen gut dastehen. Die Parteivorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck teilten zur Wahl nur mit: „Diese Frage werden die Abgeordneten im guten demokratischen Wettbewerb entscheiden.“

Özdemir ist einer der populärsten deutschen Politiker. Eigentlich hatte er sich schon direkt nach dem Scheitern der Jamaika-Verhandlungen für ein Amt an der Fraktionsspitze bewerben wollen, sagte er damals. Er habe aber für seine Wahl „keine Mehrheit“ erkennen können. Hintergrund: Da die Grünen gerade mit Baerbock und Habeck zwei Realpolitiker zu ihren Vorsitzenden gewählt hatten, musste aus Gründen der Parteiarithmetik ein flügelübergreifendes Duo an die Fraktionsspitze. Der Männerplatz war aber für den Parteilinken Hofreiter reserviert. So hatte Göring-Eckardt – Frau, Pragmatikerin, aus dem Osten – die besseren Karten. Der 53-jährige Schwabe übernahm daraufhin mit dem Vorsitz des Verkehrsausschusses einen Platz in der zweiten Reihe.

Seinen jetzigen Versuch, die Fraktionsspitze zu übernehmen, startet der Realpolitiker mit der Parteilinken Kappert-Gonther. Die 52-jährige gebürtige Marburgerin war Abgeordnete in der Bremischen Bürgerschaft, bevor sie 2017 in den Bundestag gewählt wurde. Dort ist die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie Sprecherin für Drogenpolitik und Gesundheitsförderung.

Dass die derzeitige Fraktionsführung nicht unumstritten ist, zeigt das magere Ergebnis bei ihrer Wahl vor anderthalb Jahren. Damals bekamen Hofreiter und Göring-Eckardt jeweils nur zwei Drittel der Stimmen der 67 Fraktionsmitglieder.
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 Cem Özdemir, der frühere Bundesvorsitzende der Grünen, tritt bei der Neuwahl des Fraktionsvorstands am 24. September gemeinsam mit der Bremer Abgeordneten Kappert-Gonther an.
Cem Özdemir, der frühere Bundesvorsitzende der Grünen, tritt bei der Neuwahl des Fraktionsvorstands am 24. September gemeinsam mit der Bremer Abgeordneten Kappert-Gonther an. FOTO: dpa / Michael Kappeler