Von Stefan Kruse

Premiere in Berlin: An diesem Freitag ist der Internationale Frauentag erstmals gesetzlicher Feiertag. Als erstes Bundesland überhaupt hatte die Hauptstadt per Parlamentsbeschluss am 24. Januar diesen neuen arbeitsfreien Tag eingeführt. Die RUNDSCHAU gibt dazu einige Fragen und Antworten.

Warum gibt es überhaupt einen zusätzlichen Feiertag in Berlin?

Bisher hatten die Berliner neun arbeitsfreie Feiertage und fanden sich damit am Ende des Länderrankings. Zum Vergleich: In Bayern ruht die Arbeit an 13, in Baden-Württemberg an zwölf Feiertagen. Als vier Nordländer im Vorjahr den Reformationstag zum gesetzlichen Feiertag machten, wuchs der Druck auf den Berliner Senat, ebenfalls mit einem arbeitsfreien Tag nachzuziehen. Nun sind es in der Hauptstadt zehn, so wie in einigen anderen Bundesländern auch.

Warum fiel die Wahl auf den 8.März?

Rot-Rot-Grün sieht in der Entscheidung für den Frauentag ein Signal für ganz Deutschland. „Wie kein anderes Datum steht der 8. März für den langen Weg hin zur Gleichstellung der Geschlechter“, sagt Regierungschef Michael Müller (SPD) dazu. Für Politik und Gesellschaft gelte es, weiter für Gleichstellung und die Rechte der Frauen zu kämpfen. „Auch wenn vieles erreicht worden ist, es bleiben hier viele brennende Aufgaben.“ Grünen-Fraktionschefin Silke Gebel sieht im 8. März einen „Frauenkampftag“.

Ist der Frauentag ein sozialistischer Feiertag?

Das führen Kritiker gerne ins Feld, es greift aber womöglich zu kurz. Natürlich wurde der Frauentag in der DDR groß begangen, in den Betrieben organisierten die Männer Feiern für ihre Kolleginnen. Doch seine Historie reicht in den USA und Europa mehr als 100 Jahre zurück, als Frauen aufbegehrten und begannen, sich für mehr Rechte einzusetzen. Erster Erfolg in Deutschland war die Einführung des Frauenwahlrechts 1919. Seit 1977 ist der Internationale Frauentag ein offizieller Feiertag der Uno.

Gab es andere Terminvorschläge?

Reichlich. So plädierte die Linke zunächst für den Tag der Befreiung am 8. Mai, Kirchenvertreter für den Reformationstag am 31. Oktober. Der Beauftragte für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, Tom Sello, warb für den 9. November als Tag des Mauerfalls. Müller brachte den 18. März in Erinnerung an die Märzrevolution 1848 ins Spiel. Nach monatelangen Diskussionen legte sich schließlich die Linke auf den 8. März fest, die Koalitionspartner SPD und Grüne zogen schließlich mit.

Wo wird der Frauentag heutzutage noch gefeiert?

In den westlichen Staaten ist der gesetzliche Feiertag in Berlin die absolute Ausnahme. In Gesellschaft befindet sich die deutsche Hauptstadt nach Angaben der Kampagne International Womens‘s Day mit knapp 30 Staaten. Darunter sind Nachfolgestaaten der Sowjetunion wie Russland, die Ukraine, Turkmenistan oder Moldau, aber auch China, Kuba, Madagaskar, Burkina Faso, Afghanistan oder Vietnam.

Was kostet eigentlich so ein zusätzlicher Feiertag?

Laut Industrie- und Handelskammer (IHK) schlagen 160 Millionen Euro zu Buche. Das entspreche einem Minus von 0,3 Prozent beim Berliner Bruttosozialprodukt. „Ein kostspieliges Wahlgeschenk“, heißt es aus der Wirtschaft, die auf Umsatzeinbußen im Handel, unterbrochene Lieferketten in Betrieben, umgestellte Schichtpläne oder Zuschläge für Arbeitnehmer verweist, die trotzdem arbeiten (müssen). Der Handel kann sich zwei Tage später zumindest mit einem verkaufsoffenen Sonntag am 10. März trösten, Anlass ist die Tourismusmesse ITB.

Bringt der „Inselfeiertag“ zusätzliche Schwierigkeiten mit sich?

Davon ist auszugehen. So hat die Bundesregierung mit ihren Ministerien und Behörden quasi „geschlossen“, während der Rest Deutschlands arbeitet. Schwierig ist das auch für etliche Unternehmen. Rund 186 000 Berliner, die im näheren oder weiteren Umland arbeiten, haben keinen Feiertag. Diejenigen unter ihnen, die Kinder haben, müssen sich nach Betreuung für diese umschauen – denn die Berliner Kitas oder Schulen haben ja auch zu. Umgekehrt freuen sich gut 320 000 Beschäftigte, die nicht in Berlin wohnen, aber dort arbeiten, über den freien Tag. Die meisten sind Brandenburger.

Fahren eigentlich Busse und Bahnen im Normal- oder Feiertagsbetrieb?

Hier gibt es keine eindeutige Antwort. Nach Angaben des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) verkehren S-Bahn und die meisten BVG-Busse weitgehend nach dem Samstagsfahrplan. Die Busverbindungen mit dem Umland fahren hingegen oftmals wie an normalen Freitagen, so läuft es auch bei den Regionalbahnen. Bei der Tram wiederum gilt der Sonn- und Feiertagsfahrplan.

Stürmen die Berliner an ihrem freien Tag nun die Einkaufszentren oder Freizeiteinrichtungen im Brandenburger Umland?

Das hoffen jedenfalls die Brandenburger Geschäftsleute, die bislang immer stöhnen, wenn ihre einheimischen Kunden am Reformationstag in der Hauptstadt shoppen, weil dort am 31. Oktober kein Feiertag ist. „Rund um Berlin gibt es viele schöne Städte zum Einkaufen“, meint Günter Päts, stellvertretender Geschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg (HBB). Er rechne damit, dass der Feiertag sich in den Umsätzen bemerkbar mache. „Uns fehlen aber noch die Erfahrungswerte, was der Tag am Ende bringt“, sagt der Manager des Potsdamer Stern-Centers, Frank Kosterka.

Gibt es am 8. März in Berlin auch politische Veranstaltungen?

Einige. Auf dem Alex plant ein Bündnis eine „Frauen*kampftagsdemo“ im Rahmen eines „feministischen Streiks“. Daran wollen sich auch Mitarbeiterinnen des Maxim Gorki Theaters beteiligen, weshalb die Bühne eine am 8. März geplante Premiere auf den 9. März verschob. Die Grünen-Fraktion will mit einer symbolischen Straßenumbenennung in Mitte darauf aufmerksam machen, dass Frauen im Abgeordnetenhaus wie auch im Stadtbild unterrepräsentiert seien. DGB-Funktionäre wollen an der Greenwich-Promenade in Reinickendorf und am U-Bahnhof Warschauer Straße Rosen oder Flyer verteilen.