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| 09:22 Uhr

Kraftprobe um Bahnreform
Streik bremst Zugverkehr in Frankreich aus

Leere Bahngleise vor dem Bahnhof Gare de Lyon.
Leere Bahngleise vor dem Bahnhof Gare de Lyon.
Paris. "Schwarzer Dienstag" für Bahnkunden in Frankreich. Die Gewerkschaften laufen Sturm gegen Reformpläne für den staatlichen Zugbetreiber SNCF. Und drohen mit einem langen Konflikt.

In Frankreich sorgt ein Eisenbahner-Streik gegen die geplante Bahnreform für erhebliche Beeinträchtigungen des Zugverkehrs. Der Konflikt gilt als wichtige Kraftprobe für Präsident Emmanuel Macron. Mehr als drei Viertel der Lokführer wollten sich am Dienstag nach Angaben des staatlichen Bahnbetreibers SNCF am Streik beteiligen, zahlreiche Verbindungen wurden gestrichen.

Im Regionalverkehr sollte im Durchschnitt nur jeder fünfte Zug fahren, bei den TGV-Fernzügen sah es mit gerade zwölf Prozent der geplanten Züge noch schlechter aus. Medien sprachen von einem "schwarzen Dienstag" für Bahnkunden.

Die Gewerkschaften wehren sich gegen die Pläne der Regierung zur Reform des staatlichen Bahnunternehmens SNCF. Der zunächst zweitägige Ausstand der Eisenbahner ist der Auftakt zu einer Streikwelle, die Wochen oder sogar Monate dauern könnte. Die Gewerkschaften wollen immer im Wechsel zwei Tage streiken und drei Tage arbeiten - sie haben 36 Streiktage bis Ende Juni angedroht.

Auch TGV-Verbindungen nach Deutschland betroffen

Die Regierung will das hoch verschuldete Staatsunternehmen auf die Öffnung des Bahnverkehrs für den Wettbewerb vorbereiten - der Bahnverkehr soll schrittweise für Konkurrenzanbieter geöffnet werden. Für besonders viel Kritik bei den Gewerkschaften sorgt, dass für Neueinstellungen der vorteilhafte Eisenbahner-Status wegfallen soll.

Auch die TGV-Verbindungen nach Deutschland sind betroffen, etwa zwischen Paris und Frankfurt oder Stuttgart. Hier sollten am Dienstag zwei Drittel der Züge ausfallen. Bei den Thalys-Zügen, die unter anderem zwischen Paris und Nordrhein-Westfalen unterwegs sind, gibt es dagegen nur geringe Einschränkungen.

In Frankreich kommen noch weitere Proteste in anderen Branchen hinzu: Bei der Fluggesellschaft Air France sollte wegen eines Streiks für höhere Gehälter ein Viertel der Flüge ausfallen. Und Mitarbeiter der Müllabfuhr waren zum Streik für bessere Arbeitsbedingungen aufgerufen.

(wer)