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| 18:09 Uhr

Moskau
Fragezeichen über Sotschi

 US-Außenminister Pompeo bei seiner Ankunft in Sotschi.
US-Außenminister Pompeo bei seiner Ankunft in Sotschi. FOTO: dpa / Pavel Golovkin
Moskau. US-Außenminister Mike Pompeo verhandelt mit russischer Führung. Von Stefan Scholl

Donald Trump stahl seinem Außenminister vorweg die Show. Bereits am Montag hatte der US-Präsident in Washington angekündigt, er wolle sich Ende Juni beim G20-Gipfel in Osaka mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin treffen.

Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte zwar gestern, es habe keine offizielle Initiative der USA für einen solchen Termin gegeben. Aber schon bevor Mike Pompeo gestern in Sotschi am Schwarzen Meer mit seinem russischen Kollegen Sergei Lawrow und dann mit Wladimir Putin zusammentraf, lautete das Tagesthema: Wird der Gipfel zwischen Putin und Trump zustandekommen?

Dabei hingen in Sotschi genügend andere Fragezeichen in der Luft. Lawrow bezeichnete das bilaterale Verhältnis zu Beginn der Gespräche als „traurig“. Pompeo antwortete recht optimistisch: Russland und die USA hätten erfolgreich beim Kampf gegen den Terrorismus, bei der Abrüstung, bei der Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen und bei der Regelung regionaler Konflikte zusammengearbeitet.

Tatsächlich hatten beide Delegationen eine Vielzahl ungelöster Probleme zu verhandeln. Vom Machtkampf in Venezuela, das Moskau wie Washington als Einflussgebiet betrachtet, über die Dauerkrisen in der Ukraine, Syrien und auf der koreanischen Halbinsel bis zur Abrüstungsdebatte zwischen den beiden Atommächten. Andere Streitpunkte wie das russisch-deutsche Pipelineprojekt Nordstream 2 hatten es gar nicht auf die offizielle Tagesordnung geschafft. Noch kurz vor dem Treffen demonstrierten beide Seiten, dass sie geneigt sind, ihre Probleme auch ohne Verhandlungen zu lösen.

Die „New York Times“ meldete am Vortag, im Pentagon denke man über die Verlegung von 120 000 US-Soldaten in den Nahen Osten nach, um den Iran einzuschüchtern. Dass es den US-Diplomaten gelingen könnte, Russland zu überreden, den Iran ebenfalls unter zu Druck zu setzen, betrachten russische Experten als ziemlich unmöglich.

Wladimir Putin aber unterstrich am gleichen Tag noch einmal, dass nur Russland Hyperschallraketen besitze, dass Russland aber auch das Potenzial habe, um Waffen zu deren Bekämpfung zu entwickeln.

Nach Ansicht von Beobachtern kündigte Putin damit nichts anderes als eine zukünftige russische Hyperschallraketenabwehr an, obwohl es bisher keiner Seite gelungen ist, eine verlässliche Raketenabwehr gegen die zur Zeit existierenden Kernwaffenträger zu schaffen.

„Es ist erstaunlich, dass unsere Führung einerseits immer wieder versichert, sie wolle sich in keinen Rüstungswettlauf hineinziehen lassen“, sagt der Militärexperte Alexander Golz, „andererseits mit solchen Aussagen das Wettrüsten selbst initiiert.“

 US-Außenminister Pompeo bei seiner Ankunft in Sotschi.
US-Außenminister Pompeo bei seiner Ankunft in Sotschi. FOTO: dpa / Pavel Golovkin