Von Ellen Hasenkamp

Wolfgang Schäuble (CDU) schien die Veranstaltung nicht unbedingt für eine Sternstunde des Parlamentsbetriebs zu halten. Jedenfalls moderierte der 76-jährige Bundestagspräsident einigermaßen missgestimmt durch den Tagesordnungspunkt 1: Befragung der Bundesregierung – diesmal in Gestalt der Kanzlerin persönlich.

Die Premiere im vergangenen Sommer hatte das politische Berlin noch elektrisiert, die mittlerweise dritte Vorstellung wurde nun mit einer gewissen Routine auf beiden Seiten abgearbeitet. Auf der Regierungsbank fanden sich statt Ministern nur Staatssekretäre ein, in den Reihen der Parlamentarier waren noch einige Plätze frei.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) aber nahm die Sache ernst: Zwischen Klimakabinett und EU-Brexit-Gipfel brachte sie die Stunde im Bundestag unter, erschien sogar fünf Minuten vor der Zeit. Wie schon beim allerersten Mal riss sie dann aber versehentlich den schwarzen Popschutz von ihrem Tischmikro, das sie ansonsten ja auch wenig nutzt. Den Reigen eröffnete die AfD mit dem Thema Urheberrecht, nicht ohne selbst hier eine Spitze gegen Merkels Flüchtlingspolitik unterzubringen. „War die Frage beendet, ja?“ Diesen kleinen Konter gönnte sich die Kanzlerin, ehe sie dann alle Fragen mit der ihr eigenen Sachlichkeit und Detailfreude erledigte.

Aber auch Merkel bekam zu spüren, dass sich die Machtverhältnisse in den vergangenen Monaten ein wenig verschoben haben. Gleich zwei Mal musste sie darlegen, wie sie zu Positionen ihrer Nachfolgerin an der CDU-Spitze, Annegret Kramp-Karrenbauer, in Sachen europäischer Mindestlohn und Emissionshandel stehe. Aus der Fassung bringt Merkel das nicht, im Gegenteil. Als die SPD-Abgeordnete Claudia Moll mit ihrem engagierten Pflege-Plädoyer die Zeit überschreitet, bietet Merkel freundlich ihre „Hilfe“ an: „Ich vermute, ich habe Ihre Frage erahnt.“