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| 10:19 Uhr

Wien
FPÖ-Politiker bei NS-Gedenkfeier unerwünscht

Wien. In den 60er-Jahren hatte das Mauthausen-Komitee beschlossen, "keine Funktionäre oder Mandatsträger der FPÖ" zu den jährlichen Gedenkfeiern einzuladen. Solange die Rechtspartei in Opposition war, hat sie sich nie daran gestoßen. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Die FPÖ ist seit wenigen Monaten Regierungspartei, und deren Chef Heinz-Christian Strache fühlte sich aus Staatsräson verpflichtet, dem gestrigen Gedenken an die rund 100.000 Opfer des KZ Mauthausen und einigen Nebenlagern beizuwohnen.

In den 60er-Jahren hatte das Mauthausen-Komitee beschlossen, "keine Funktionäre oder Mandatsträger der FPÖ" zu den jährlichen Gedenkfeiern einzuladen. Solange die Rechtspartei in Opposition war, hat sie sich nie daran gestoßen. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Die FPÖ ist seit wenigen Monaten Regierungspartei, und deren Chef Heinz-Christian Strache fühlte sich aus Staatsräson verpflichtet, dem gestrigen Gedenken an die rund 100.000 Opfer des KZ Mauthausen und einiger Nebenlager beizuwohnen.

Doch Strache und seine fünf FPÖ-Minister mussten sich von Komitee-Sprecher Willi Berenyi sagen lassen, sie seien unerwünscht, weil deren Anwesenheit einer "neuerlichen Demütigung" für die Opfer und deren Angehörigen gleichkäme. Berenyi begründete dies mit aktuellen Beispielen. So wurden im rechtsradikalen Blatt "Aula", das die FPÖ mit Inseraten finanziell unterstützt, die im Frühjahr 1945 von den Amerikanern befreiten KZ-Insassen als plündernde und mordende "Landplage" beschimpft.

Bei der Gedenkfeier in Mauthausen legte Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, scharf nach. Er warf der FPÖ vor, sie stehe in der Tradition der Deutschnationalen, die im 19. Jahrhundert den Antisemitismus zu einer "politischen Waffe" machten: "Sie bauten das Gerüst des Hasses, das in Krematorien der Konzentrationslager mündete." Dieser Ungeist lebe bis heute in vielen deutschnationalen Burschenschaften weiter, sagte Deutsch.

(gru)