Von Liesa Hellmann

Egon wird gegen das West-Nil-Virus geimpft, Ralinah auch. Egon und Rahlinah sind Pferde. Sie stehen auf einer Weide in Südbrandenburg, und ihre Halterin Tanja Anson hat Angst um sie. Für Pferde gibt es Impfstoffe gegen das Virus, für Menschen nicht. Als das Virus 1999 in den USA nachgewiesen wurde, kam die Forschung an einem Impfstoff ins Rollen – und verebbte wieder. Auch in Europa wurde in den 2010er-Jahren an einem Vakzin geforscht, unter anderem am Fraunhofer-Institut in Leipzig. „Wir haben einen Impfstoffkandidaten entwickelt, der aussichtsreich ist“, sagt Sebastian Ulbert, der an der Forschung beteiligt ist. Allerdings: „Wir konnten nicht einmal die erste klinische Phase testen. Die Entwicklung ist auf sehr hohem Niveau stehen geblieben.“

Damit ein Impfstoff zugelassen werden kann, wird er zunächst in der sogenannten präklinischen Phase an Tieren getestet. In der nachfolgenden klinischen Phase muss der Stoff mehrfach an Menschen getestet werden. Das übernehmen in der Regel Pharmaunternehmen. „Pharmaunternehmen scheuen sich vor schwieriger klinischer Forschung“, sagt Sebastian Ulbert. Denn die klinische Phase ist sehr teuer. Dazu besteht die Gefahr, dass die Investition ins Leere läuft, etwa wenn sich herausstellt, dass der Impfstoff doch nicht so gut wirkt wie vermutet oder Nebenwirkungen auftreten.

Kein Impfstoffkandidat hat alle Tests absolviert

Hinzu kommt ein logistisches Problem: Für die Tests müssen Menschen mit dem potenziellen Impfstoff geimpft werden, die sich mit dem West-Nil-Virus infizieren könnten. „Man weiß allerdings nie genau, wo die Krankheit zuschlägt“, erläutert Sebastian Ulbert. Gut möglich also, dass Menschen in einer Region geimpft werden, in der das Virus jahrelang kaum auftritt.

Das West-Nil-Virus ist für ältere und immungeschwächte Menschen gefährlich. „Bei diesen Gruppen ist es auch bei anderen Impfstoffen schwierig, eine ausreichend hohe Immunität aufzubauen“, gibt Christina Frank vom Robert-Koch-Institut zu bedenken. Aussichtslos ist die Situation nicht, geeignete Kandidaten für einen Impfstoff gibt es mehrere. Kein einziger hat bisher jedoch alle notwendigen Tests absolviert.

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