| 17:38 Uhr

Turbulenzen bei den Linken
Giftige Wortwechsel und Zoff ums Personal

Bundesgeschäftsführer auf Abruf: Matthias Höhn.
Bundesgeschäftsführer auf Abruf: Matthias Höhn. FOTO: Jan Woitas / picture alliance / Jan Woitas/dp
Berlin. Bei den Linken brechen nach der Bundestagswahl die Flügelkämpfe wieder offen aus. Bundesgeschäftsführer Höhn wackelt. Stefan Vetter

Drei Wochen nach der Bundestagswahl ist die Linkspartei tief zerstritten. Bundesgeschäftsführer Matthias Höhn dürfte deshalb seinen Posten räumen. Auch die Klausurtagung der neuen Bundestagsfraktion in der kommenden Woche birgt reichlich Zündstoff für die künftige Aufstellung der Linken.

Katja Kipping tat so, als sei nichts gewesen: „Ich möchte weiter mit Matthias Höhn als BGF zusammenarbeiten“, verbreitete die Linken-Vorsitzende am Mittwoch per Twitter. Die Reaktion kam prompt:  „Glaubst du eigentlich selber, was du schreibst? Kannst du noch in den Spiegel schauen?“, giftete die nicht mehr im Bundestag vertretene Abgeordnete Halina Wawzyniak. „Leute loswerden ist doch eine Deiner Stärken“, schob sie nach.

Der verbale Ausbruch kennzeichnet den aktuellen Zustand der Linkspartei: Alte Feindschaften, die im Bundestagswahlkampf mehr oder minder mühsam unter der Decke gehalten wurden, brechen wieder neu auf. So konnte Wawzyniak nie verwinden, dass sie in einem vor drei Jahren aufgetauchten Papier aus Kippings Büro als Teil einer personalpolitischen „Reste-Rampe“ verunglimpft wurde. Bundesgeschäftsführer Höhn wiederum gilt als enger Vertrauter von Fraktionschef Dietmar Bartsch. Die Co-Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht und Bartsch waren die beiden Spitzenkandidaten der Partei im Wahlkampf. Auch Kipping hätte eine solche Rolle gern gehabt, konnte sich aber nicht durchsetzen.

Der aktuelle Zwist um Höhn hatte sich an einer Facebook-Botschaft von Ex-Parteichef Oskar Lafontaine entzündet. Darin warf der Saarländer Kipping und deren Co-Chef Bernd Riexinger vor, keine Zugkraft zu entfalten. Zudem hätten sie sich nie mit den beiden Spitzenkandidaten abfinden wollen. Worauf Kipping und Riexinger ihrerseits nun Höhn vorwarfen, sie nicht gegen Lafontaines Angriffe verteidigt zu haben. Und, dass Höhn die starke Ausrichtung auf das Spitzenduo im Wahlkampf mitgetragen habe. Szenen einer politischen Zerrüttung.

Dem Vernehmen nach wird Höhn auf keinen Fall wieder erneut für den Posten des Bundesgeschäftsführers kandidieren. Der nächste reguläre Wahlparteitag der Linken ist aber erst im Juni 2018, und nach dem offenen Zerwürfnis mit den Parteispitzen gilt es als schwer vorstellbar, dass Höhn bis dahin noch im Amt bleibt. Eine Entscheidung darüber könnte vom Verlauf der Klausurtagung der Linksfraktion abhängen, die am Dienstag in Potsdam beginnt. Als Bundestags-Neuling nimmt auch Höhn daran teil. Bei den Beratungen werden harte Auseinandersetzungen erwartet. Zwar ist die Wiederwahl von Wagenknecht und Bartsch als Fraktionschefs gesichert. Bei den neun Stellvertreterposten und dem Amt des Parlamentarischen Geschäftsführers sieht die Sache jedoch anders aus. Bislang wird die Fraktion strukturell klar vom linken Wagenknecht-Flügel und den Reformern um Bartsch dominiert. Andere Strömungen sehen sich dabei aber zu kurz gekommen.

Ein Spitzen-Linker ist sich dann auch sicher: „Bei der Neuwahl der Fraktionsführung wird kaum ein Stein auf dem anderen bleiben.“