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| 19:01 Uhr

Evangelischer Kirchentag in Dortmund
Fleißige Helfer mit gelbem Halstuch

 Die gebürtige Guberin Nadine Kunschke (r.) hilft zusammen mit Julia Michaelis-Winter und ihrem Bruder Niklas aus Cottbus Besuchern und Gästen auf dem Evangelischen Kirfchentagin Dortmund.
Die gebürtige Guberin Nadine Kunschke (r.) hilft zusammen mit Julia Michaelis-Winter und ihrem Bruder Niklas aus Cottbus Besuchern und Gästen auf dem Evangelischen Kirfchentagin Dortmund. FOTO: Benjamin Lassiwe
Dortmund. Drei junge Lausitzer helfen beim Kirchentag in Dortmund. Bundespräsident Steinmeier fordert „Ethik der Digitalisierung“.

„Wo geht es denn hier zur Halle drei?“ Uta Albert aus Heidelberg steht suchend im Foyer der Dortmunder Westfalenhalle. „Da gehen Sie jetzt hier links lang“, sagt eine junge Frau mit gelbem Halstuch. „Einfach hier herüber.“ Die junge Frau, die der Besucherin den Weg gewiesen hat, ist Nadine Kunschke. Die gebürtige Gubenerin absolviert normalerweise ein duales Studium im Finanzamt in Frankfurt (Oder). Zusammen mit Julia Michaelis-Winter und ihrem Bruder Niklas aus Cottbus ist sie in die Ruhrgebietsmetropole gereist.

Denn dort findet noch bis zum Sonntag der 37. Deutsche Evangelische Kirchentag statt. 80 000 Dauerteilnehmer und rund 38 000 Tagesgäste nehmen unter dem Motto „Was für ein Vertrauen!“ daran teil.

Damit das alles läuft, damit jeder den Weg zur Bibelarbeit, zur Podiumsdiskussion oder zum Großkonzert findet, braucht es freiwillige Helfer: Menschen wie die drei jungen Lausitzer, die in ihrer Freizeit den Kirchentag am Leben halten.

„Wir machen das jetzt schon seit dem Kirchentag in Stuttgart 2015“, sagt Julia Michaelis-Winter. Als Kirchentagshelfer sei man bei vielen Dingen direkt dabei, könne Konzerte besuchen, an Podiumsdiskussionen teilnehmen. Beim letzten Kirchentag in Berlin war es etwa ein Konzert der „Wise Guys“, das die jungen Lausitzer begeistert hat. Aber auch die Bibelarbeiten des Kabarettisten und Arztes Eckart von Hirschhausen haben es ihnen angetan. „Da gehen wir auf jeden Fall wieder hin.“

Und natürlich haben die drei Lausitzer auch schon an der einen oder anderen Großveranstaltung des Dortmunder Kirchentags teilgenommen. Etwa an der Eröffnung am Mittwochabend in der Innenstadt. Dort hatten die leitende Geistliche  der gastgebenden westfälischen Kirche, Präses Annette Kurschus, und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unter Bezugnahme auf das Motto der Großveranstaltung deutliche Worte zur Situation in der deutschen Gesellschaft gefunden. „Unsere Gesellschaft ist auf Vertrauen gebaut“, sagte Steinmeier. Man dürfe nicht hinnehmen, wenn dieses Vertrauen bröckele, wenn Wut oder Frust oder Gleichgültigkeit sich breit machen. Nicht jeder, der sich abwende, sei schon gegen die Demokratie. „Aber: Jeder, der sich abwendet, fehlt der Demokratie“, sagte Steinmeier. „Und deshalb dürfen wir niemanden einfach achselzuckend ziehen lassen!“ Zudem wandte sich Steinmeier deutlich gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus. „Kein Jude, keine Jüdin soll sich fürchten müssen, auf deutschen Straßen Kippa zu tragen!“, sagte der Bundespräsident.

Steinmeier war es auch, der am gestrigen Donnerstag einen Schwerpunkt des Kirchentages setzte. In einer von mehreren Tausend Menschen besuchten Veranstaltung in der Dortmunder Westfalenhalle sprach sich das Staatsoberhaupt für eine Ethik der Digitalisierung aus. In einer Grundsatzrede verwies er darauf, dass die „digitale Welt bislang in erster Linie um uns herum und ohne unser Zutun gestaltet worden“ sei, sagte Steimeier. „Die digitale Welt von heute dient den Interessen derer, die unsere Geräte voreinstellen, unsere Anwendungen programmieren, unser Verhalten lenken wollen“, kritisierte das Staatsoberhaupt. Hier brauche man den Mut, „das Spiel zu unterbrechen und die Spielregeln zu überprüfen.“

 Die gebürtige Gubenerin Nadine Kunschke (r.) hilft zusammen mit Julia Michaelis-Winter und ihrem Bruder Niklas aus Cottbus Besuchern und Gästen auf dem Evangelischen Kirchentag in Dortmund.
Die gebürtige Gubenerin Nadine Kunschke (r.) hilft zusammen mit Julia Michaelis-Winter und ihrem Bruder Niklas aus Cottbus Besuchern und Gästen auf dem Evangelischen Kirchentag in Dortmund. FOTO: Benjamin Lassiwe