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| 13:50 Uhr

Potsdam/Berlin
Keine neue Neiddebatte, aber ...

Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linke).
Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linke). FOTO: ZB / Julian Stähle
Potsdam/Berlin. Brandenburgs Finanzminister Görke will gegen maßlose Manager-Gehälter in der Wirtschaft vorgehen. Von Dieter Keller

  Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linke) will gegen maßlose Manager-Gehälter in der Wirtschaft vorgehen. Er möchte die Möglichkeiten einschränken, Managergehälter als Betriebsausgabe von der Steuer abzusetzen. Dafür wolle er sich im Bundesrat einsetzen, kündigte Görke an.

Er wolle „keine neue Neiddebatte entfachen“, betonte Görke. „Führungskräfte, die eine hohe Verantwortung tragen, sollen auch entsprechend entlohnt werden.“ Aber wenn die Managergehälter unverhältnismäßig hoch seien, dürfe dies nicht zulasten der Allgemeinheit gehen.

Auslöser für Görkes Vorstoß war die jüngste Untersuchung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung über die Verdienste der Vorstände in den Dax-Unternehmen, also den 30 größten deutschen Konzernen, die an der Börse gehandelt werden: Sie erhalten im Schnitt 71-mal so viel wie die durchschnittlichen Beschäftigten in den Firmen. Der Abstand habe sich seit 2014 deutlich vergrößert, als er erst beim 57-Fachen lag. Die Unterschiede sind groß: Bei der Commerzbank bekommen die Vorstände das 20-Fache der Mitarbeiter, bei der Deutschen Post das 159-Fache.

Eine konkrete Obergrenze nannte Görke nicht. Sein Ministerium verwies auf die öffentliche Debatte. Diese hatte zuletzt die SPD Anfang 2017 losgetreten. Aktiengesellschaften sollten Vorstandsbezüge nur bis höchstens 500 000 Euro pro Jahr absetzen können, forderte sie. Die Gesellschaften könnten dann zwar weiter mehr zahlen, sie müssten aber darauf Körperschaftsteuer entrichten. Außerdem solle die Hauptversammlung ein Maximalverhältnis zwischen der Vorstandsvergütung und dem Durchschnittsgehalt im Unternehmen festlegen. Doch das hatte die Union abgelehnt.

Die SPD versprach in ihrem Programm zur Bundestagswahl eine Obergrenze von 500 000 Euro, was aber nicht Einzug in den Koalitionsvertrag fand. Das Bundesfinanzministerium wollte sich nicht äußern, ob Minister Olaf Scholz (SPD) Görkes Vorstoß begrüßt. Die Linke forderte in ihrem Wahlprogramm eine verbindliche Obergrenze: Vorstände und Manager dürften nicht mehr als das 20-fache des niedrigsten Gehalts bekommen.

Kritiker führen dagegen ins Feld, eine Begrenzung nur für Vorstände sei wegen des Gleichheitsgrundsatzes in der Verfassung nicht zulässig. Sie wäre nur für alle Mitarbeiter möglich, also beispielsweise  auch für Fußballprofis in der Bundesliga, die oft deutlich mehr verdienen als Vorstände. Dann könnten sich die Bundesligaclubs gute Spieler nicht mehr leisten.