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| 18:56 Uhr

Politik
FDP bestätigt Lindner als ihren Chef

 Warten auf das Ergebnis – am Ende wurden es 86,64 Prozent der abgegebenen Stimmen für Christian Lindner.
Warten auf das Ergebnis – am Ende wurden es 86,64 Prozent der abgegebenen Stimmen für Christian Lindner. FOTO: dpa / Kay Nietfeld
Berlin. Die Liberalen kommen zu ihrem Bundesparteitag zusammen – die Wirtschaft ist ein Schwerpunkt. Von Stefan Kegel

Es ist neu, dass ein deutscher Parteichef einen Parteitag mit einem chinesischen Satz eröffnet, und das auch noch vor riesigen chinesischen Schriftzeichen, die auf der Leinwand hinter ihm prangen. Letztere heißen auf Deutsch nichts anderes als „Wirtschaftspolitik“, und letztlich ist das auch das Motto, unter welches Christian Lindner seine Rede stellt – jenseits aller geplanten Parteitags-Themen von Klimaschutz bis Frauen. „Die Gesellschaft und die Wirtschaft ändern sich beständig. Wir müssen mit den Zeiten Schritt halten“, übersetzt er seinen ersten Satz. Der Grund für den fremdsprachlichen Einsatz: Lindner will vor der wirtschaftlichen chinesischen Übermacht warnen, und er kritisiert die angebliche Unbeweglichkeit der Bundesregierung. Europa müsse dafür sorgen, dass es sich künftig für Chinesen weiterhin lohne, auch Deutsch und Englisch zu lernen, merkt er an.

Seine Ansprache dauert mit mehr als anderthalb Stunden ungewöhnlich lange. Das merkt man auch den Reaktionen an. Gegen Ende setzt – bislang unbekannt bei Lindner-Reden vor der eigenen Fan-Basis – ungeduldiges Gemurmel ein. Vielleicht liegt es daran, dass man Lindners Attacken gegen den politischen Gegner so und in Variationen schon des Öfteren gehört hat. Seiner Wiederwahl tut das jedoch kaum Abbruch. Er erhält später 86,6 Prozent, fünf Prozent weniger als vor zwei Jahren allerdings.

Im Kern wettert Lindner gegen Vorschriften, etwa in der Industriestrategie des Wirtschaftsministers. „Das, was Peter Altmaier vorgelegt hat, das trägt die Signatur der Planwirtschaft“, ruft er den applaudierenden 660 Delegierten zu. Die mittelständische Industrie finde darin gar nicht statt. Enteignungen verurteilt er und fordert eine Streichung des Grundgesetz-Artikels 15.

Spöttern über den Niedergang der deutschen Autoindustrie begegnet der Liberale mit der Bitte um Mitgefühl für die Beschäftigten und für Diesel-Besitzer. Überhaupt scheint Lindner das Wort „Empathie“, Mitgefühl, entdeckt zu haben. Es taucht an mehreren Stellen seiner Rede auf, ebenso wie kürzlich bei der Begründung für seine Wahl seiner Generalsekretärin Linda Teuteberg, bei der er neben ihrer fachlichen Qualifikation auch eben jenen Wesenszug mehrfach herausstrich.

Die geplanten Debatten zu Frauen und zum Klima geraten zunächst fast in die Hintergrund, auch wenn die Jungen Liberalen mit ihrer Chefin Ria Schröder und einem kostümierten Eisbären auf zerstoßenem Eis Lindners „Klimaschutz-ist-was-für-Profis“-Zitat kritisieren. Immerhin erklärt er sich bereit, zu einem Klimakongress der JuLis zu kommen – „wenn er Freitagnachmittag stattfindet“.