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| 14:52 Uhr

Wenn Dürre zum Normalfall wird
Experten raten: Wassernotstand sollte schon mal geübt werden

Kein seltenes Bild in diesem Sommer: Eine einzelne Maispflanze steht auf einem von Trockenheit, Hitze und Unwettern stark geschädigtem Maisfeld.
Kein seltenes Bild in diesem Sommer: Eine einzelne Maispflanze steht auf einem von Trockenheit, Hitze und Unwettern stark geschädigtem Maisfeld. FOTO: dpa / Julian Stratenschulte
Berlin. Bisher hat der deutsche Katastrophenschutz nur Überschwemmungen im Blick. Von Werner Kolhoff

125 Liter Wasser braucht jeder Deutsche pro Tag, 4000 bis 5000 Liter pro Einwohner werden zusätzlich in der Produktion und Tierhaltung täglich genutzt. Was, wenn der Nachschub versiegt? Der Dürre-Sommer 2018 sei Anlass genug, die Notversorgung mit Wasser wieder zu üben, sagt der „Bundesverband für den Schutz Kritischer Infrastrukturen“ (BSKI). Denn das Wissen darüber sei fast verloren gegangen.

Tatsächlich haben die Behörden in Sachen Wasser bisher nur Deichbrüche oder Sturmfluten im Blick. 2015 sollte dazu eine überregionale „Lükex“-Katastrophenschutz-Übung stattfinden, wurde aber wegen der Überlastung der Innenbehörden durch die Flüchtlingskrise abgesagt. Gasmangel mitten im Winter ist im November das Thema der diesjährigen Großübung, 2020 folgt die Simulation eines Cyberangriffs auf die Stromversorgung. „2022 könnte man sich Wasser vornehmen“, meinte der Katastrophen-Experte Hans-Walter Borries vom  BSKI. Wenn nach einem so trockenen Sommer wie in diesem Jahr noch ein regenarmer Winter und ein trockener Frühling komme, seien die Talsperren leer. „Die Folgen eines langanhaltenden Ausfalls der Wasserversorgung sind nicht umfassend untersucht.“

Zwar gebe es in den Schubläden der Behörden Pläne für die Notversorgung, doch seien sie praktisch nie benutzt worden. Auch müssten sie heutigen Bürgerwünschen angepasst werden, „damit die Notwendigkeit von Verboten, wie zum Beispiel des Gartensprengens oder des Autowaschens, als solches verstanden und reibungslos akzeptiert wird“.  Es gebe  je 20 000 Einwohner überall Trinkwassernotbrunnen, deren Zustand überprüft und deren Aktivierung geübt werden müsse. Auch müsse man die Verteilung an die Menschen organisieren, vor allem in Ballungsgebieten. „Dass die geduldig mit Eimern Schlange stehen, ist nicht zu erwarten.“ Krankenhäuser bräuchten Klarheit, woher sie im Notfall Wasser bekämen. Auch die Feuerwehren müssten auf sichere Reserven zurückgreifen können, selbst in unwegsamen Gebieten.

Nicht nur die Versorgung mit Frisch- und Löschwasser könne Probleme bereiten, auch die Entwässerung. Wenn die Abwasserleitungen nicht mehr ausreichend durchspült würden, könnten sie verstopfen, auch könnten sich zum Beispiel Ratten stark vermehren. Und Klärwerke ausfallen. Borries: „Die Diskussion muss offen geführt werden, und zwar vor einer Krise.“

Der BSKI ist ein neu gegründeter Verband von Experten, der auf Schwachstellen der Infrastruktur hinweisen und Lösungswege anbieten will. Als empfindlichste Stelle für Deutschland gilt auch dem BSKI die Stromversorgung. Ausfälle dort seien künftig nicht nur wegen Hacker-Angriffen häufiger möglich. Sondern auch wegen der angespannten Situation der Stromnetze im Zuge der Energiewende. Ein längerer Blackout hätte übrigens auch Rückwirkungen auf die Wasserversorgung, egal wie trocken es gerade ist: Wassertürme wie in Südeuropa gibt es kaum noch; in Deutschland wird der Wasserdruck mit elektrischen Pumpen aufrechterhalten. Die dann ausfallen.