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| 17:43 Uhr

USA
Juristischer Doppelschlag für Trump

Michael Cohen (M.), ehemaliger persönlicher Anwalt des US-Präsidenten Trump, verlässt das Bundesgericht. in New York.
Michael Cohen (M.), ehemaliger persönlicher Anwalt des US-Präsidenten Trump, verlässt das Bundesgericht. in New York. FOTO: dpa / Mary Altaffer
Washington. Ex-Anwalt Cohen belastet den US-Präsidenten, Ex-Wahlkampfmanager Manafort wird wegen Betrugs schuldig gesprochen. Von Frank Herrmann

  Um Donald Trump zu schützen, würde er sogar eine Kugel abfangen, hat Michael Cohen mal gesagt. Von den Treueschwüren ist nichts mehr übrig. Mit einem in seiner Eindeutigkeit überraschenden Schuldbekenntnis setzt Cohen, Trumps langjähriger Anwalt, einen Paukenschlag. Den US-Präsidenten stürzt der Geständige in dessen bislang schwerste Krise, zumal es ein juristischer Doppelschlag ist, den Trump verdauen muss. Während Cohen in New York Farbe bekannte, befand eine Geschworenenjury in Virginia Trumps Ex-Wahlkampfmanager Paul Manafort in wesentlichen Punkten für schuldig.

Vor einem Bundesrichter in Manhattan räumte Cohen ein,  zwei Frauen mit jeweils sechsstelligen Summen abgefunden zu haben, um kurz vor der Wahl des Jahres 2016 ihr Schweigen zu erkaufen. Die eine, Stephanie Clifford alias Stormy Daniels, Darstellerin in Pornofilmen, war drauf und dran, über eine Sexaffäre mit Trump zu plaudern. Was dessen rechte Hand, elf Tage vor dem Votum, durch die Zahlung von 130 000 Dollar zu verhindern wusste. Der anderen, dem Playboy-Model Karen McDougal, bot das Boulevardblatt „National Enquirer“ an, ihre Story zu kaufen. McDougal kassierte 150 000 Dollar, während der Verleger der Zeitung, ein Trump-Freund namens David Pecker, dafür sorgte, dass die Geschichte nie gedruckt wurde. Später war es Cohen, der Pecker das „Honorar“ erstattete.

Als das mit den Schweigegeldern vor Monaten durchsickerte, stritt Trump zunächst ab, davon auch nur gewusst zu haben, geschweige denn, von sich aus aktiv geworden zu sein. Umso mehr gerät er nun in Bedrängnis, da sein einstiger Rechtsberater keinen Zweifel daran lässt, von wem die Idee stammte. Er habe „auf Anweisung eines Kandidaten für ein Bundesamt“ gehandelt“, erklärte Cohen am Dienstagabend vor Gericht, nachdem er die Hand zum Eid erhoben hatte. Er habe es getan, um die Wahl zu beeinflussen. Falls es noch Zweifel gegeben haben sollte, welchen Kandidaten er meinte, so räumte sein Anwalt Lanny Davis sie umgehend aus. Sein Mandant, so Davis, habe eingeräumt, eine Straftat begangen zu haben, um Einfluss auf eine Wahl zu nehmen. „Wenn diese Zahlungen ein Verbrechen für Michael Cohen waren, wieso sind sie dann kein Verbrechen für Donald Trump?“

Welche Strafe Cohen erwartet, wird sich Mitte Dezember entscheiden. Die zuständige Staatsanwaltschaft beantragt zwischen 46 und 63 Monaten Gefängnis, eine vergleichsweise milde Strafe, die das Schuldeingeständnis in Rechnung stellt. Und dass „Trumps Pitbull“, wie sich der Reuige einst nannte, auf Distanz zu seinem ehemaligen Auftraggeber geht, machte er schon vor geraumer Zeit klar. Er habe beschlossen, seine Familie und sein Land an die erste Stelle zu rücken, nicht die Loyalität zu Donald Trump, hatte er bereits im April betont, als sein Büro durchsucht wurde und er sich plötzlich im Rampenlicht wiederfand.

Für den Präsidenten ist es eine gefährliche Rutschbahn, denn Cohen könnte sich nunmehr entschließen, auch mit Robert Mueller, dem Sonderermittler der Russlandaffäre, zu kooperieren. Noch scheint nicht restlos geklärt, ob er es tut. Sein Verteidiger indes hat bereits die Weichen gestellt. Sein Mandant sei bereit, alles offenzulegen, was er über Trump wisse, deutete Davis bei einem Auftritt im Fernsehsender MSNBC die Richtung an. Er wisse zum Beispiel, ob Trump vorab im Bilde gewesen sei, als Computer-Hacker die Parteizentrale der Demokraten attackierten, um Hillary Clinton zu schaden. Fortan werde man einen Michael Cohen erleben, der von sämtlichen Fesseln befreit sei und die volle Wahrheit sagen werden, ohne Angst vor der Macht, kündigte Davis an.  

Jedenfalls kann Trump in der Causa Cohen den Spieß nicht einfach umdrehen, dem politischen Gegner eine Hexenjagd unterstellen und Mueller zu dessen Marionette erklären, wie er es üblicherweise tut. Das Schweigegeld für Clifford und McDougal hat nichts mit Mueller zu tun, das New Yorker Gericht, vor dem der Fall verhandelt wird, nichts mit der „Russia Connection“. Ergo bleibt Trump nur, Cohen zum Lügner zu stempeln. Eine Verteidigungsstrategie, der er schon am Morgen nach dem Schock mit einem aggressiven Tweet folgte. Der Mann habe Geschichten erfunden, um einen Deal zu bekommen, schrieb der Präsident. „Falls jemand einen guten Anwalt sucht, würde ich dringend empfehlen, sich nicht der Dienste Michael Cohens zu bedienen.“

Jedenfalls lässt das womöglich folgenschweres Schuldbekenntnis des Ex-Vertrauten fast schon zur Fußnote werden, was eine Jury zur gleichen Zeit im Falle Paul Manaforts entschied. Am Ende einer Verhandlung, bei der es im Kern um Steuerhinterziehung in Millionenhöhe ging, befand es Trumps ehemaligen Wahlkampfstrategen in acht von 18 Anklagepunkten für schuldig. Im Frühjahr 2016 geheuert, hatte der bestens vernetzte Berater dafür zu sorgen, dass sich der Wahlparteitag der Republikaner im Sommer nicht zu einer Rebellion gegen einen Kandidaten auswuchs, dessen Durchmarsch das konservative Establishment monatelang zu verhindern versuchte.

Trumps Kampagne war nicht das Thema, der Name Trump fiel so gut wie nie in dem Gerichtssaal in Alexandria, einer Satellitenstadt am Rande Washingtons. Gleichwohl erhellte der Prozess schlaglichtartig, was für Charaktere der New Yorker Bauunternehmer um sich sammelte, als er sich ums Oval Office bewarb. Mit seiner Beratertätigkeit für Wiktor Janukowitsch, den pro-russischen Präsidenten der Ukraine, hatte Manafort enorme Summen verdient, nach Angaben der Ermittler rund 60 Millionen Dollar. Um seine Einnahmen zu verschleiern, bunkerte er das Geld auf Offshore-Konten auf Zypern und in der Karibik, von wo er ab und an Tranchen in die USA überwies, um einen luxuriösen Lebensstil zu finanzieren. Der Richter, polterte Trump via Twitter, habe sich einen zwölf Jahre alten Steuerfall vorgenommen, um enormen Druck auszuüben. Anders als Cohen, schob er hinterher, habe sich  Manafort indes nicht „brechen“ lassen: „So viel Respekt für einen tapferen Mann!“