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| 19:36 Uhr

Zur Person
Erstmals Frau an Spitze der CIA. . . Gina Haspel ist umstritten

FOTO: dpa / White House
S dpa

ie hat jeden Satz sorgfältig einstudiert. Sich jedes Wort vorher zurechtgelegt. Es war ein Drahtseilakt für Gina Haspel, und um nicht abzustürzen, hat sie sich einer verbalen Akrobatik bedient, die irgendwie alles in der Schwebe halten sollte. Haspel war direkt beteiligt, als die CIA Terrorverdächtige in geheime Gefängnisse sperrte und folterte. Sie mit verschärften Methoden verhörte, wie es im Behördenjargon hieß. Nun hat die 61-Jährige aus Kentucky Geschichte geschrieben, sie ist die erste Frau an der Spitze des US-Spionagediensts.

     Nein, sie würde nie wieder ein Programm verschärfter Verhörmethoden starten, um Gefangene zum Reden zu bringen, beschwichtigte sie die Skeptiker. Und nein, sie verdamme nicht, was unter George W. Bush im „Krieg gegen den Terror“ geschah, beruhigte sie die Hardliner. Am Donnerstagabend schließlich wurde sie von der Kammer im Amt bestätigt, mit 54 Ja- bei 45 Neinstimmen.

      Als Haspel 1985 bei den Schlapphüten begann, schickte man sie als Erstes nach Addis Abeba. Später wechselte sie nach Baku, ehe sie ins Antiterrorzentrum der CIA aufrückte. Folgt man dem, was bruchstückhaft bekannt wurde, fing sie am 11. September 2001 dort an, an dem Tag, in dem in New York die Zwillingstürme einstürzten. Dreizehn Monate darauf flog sie nach Thailand, um ein Gefängnis zu leiten, das es offiziell nicht geben durfte. Eine Haftanstalt mit dem Codenamen Katzenauge.

      In Südostasien hatten Agenten der CIA versucht, den Palästinenser Abu Zubaida, bei Al Qaida für Logistik zuständig, durch Waterboarding zum Reden zu bringen. Als Haspel die Verantwortung für das „Katzenauge“ übernahm, war das Kapitel Abu Zubaida zwar schon beendet. Doch zu der Zeit wurde ein zweiter Gefangener nach Thailand verlegt, Abdul Rahman al-Naschiri, mutmaßlicher Drahtzieher eines Attentats auf das Kriegsschiff USS Cole im Hafen von Aden. Auch er wurde wassergefoltert, diesmal unter Haspels unmittelbarer Aufsicht. 2005 ordnete José Rodriguez, bei der CIA zuständig für verdeckte Operationen, die Vernichtung von Videoaufnahmen aus dem „Katzenauge“ an. Haspel, seinerzeit Rodriguez‘ Stabschefin, habe das Schreddern eifrig befürwortet, schreibt der frühere CIA-Anwalt John Rizzo in einem Insider-Buch.

     Das alles hat den Senat in Washington noch einmal aufgewühlt. Einer, der dem Votum fernbleiben musste, machte von Anfang an deutlich, dass er Haspel für die falsche Wahl hält. Mit den Werten Amerikas sei die Berufung nicht zu vereinbaren, warnte der todkranke, vom Krebs gezeichnete John McCain, einst selber in nordvietnamesischer Kriegsgefangenschaft gefoltert. Ähnlich sahen es über 100  ehemalige Botschafter der USA, die in einem offenen Brief anmerkten, Autokraten in aller Welt würden sich über die Personalie ganz sicher freuen. „Dann können sie voller Zynismus erklären, dass sich ihr Verhalten nicht von unserem unterscheidet.“

Sie werde dem Präsidenten die Stirn bieten, falls er Ungesetzliches oder Unmoralisches von ihr verlange, entgegnete die Kandidatin. Die Zweifel hat sie damit nicht aus der Welt geschafft. ⇥Frank Herrmann