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| 18:21 Uhr

Lebensrettend
Entscheidung über Organspende in Deutschland weiter  freiwillig

 Ein Transplantationsmediziner hält in der Pathologie des Südstadt-Klinikums Rostock das Herz eines Verstorbenen in den Händen, das kurz zuvor als Organspende entnommen wurde.
Ein Transplantationsmediziner hält in der Pathologie des Südstadt-Klinikums Rostock das Herz eines Verstorbenen in den Händen, das kurz zuvor als Organspende entnommen wurde. FOTO: dpa / Bernd Wüstneck
Leipzig. Niere, Leber oder Herz: Tausende Menschen in Deutschland brauchen ein lebensrettendes Spenderorgan. Sie warten oft jahrelang – viele vergeblich.

(AFP) Nach Jahren des Rückgangs ist die Zahl der Organspender nun erstmals wieder gestiegen. Fragen und Antworten zum Thema:

 

Wie viele Menschen warten auf ein Spenderorgan?

Bundesweit stehen nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) etwa 9400 schwer kranke Menschen auf der Warteliste. Täglich sterben im Schnitt drei davon, weil nicht rechtzeitig ein passendes Organ zur Verfügung steht. Allein fast 8000 Menschen brauchen eine neue Niere. Das sind etwa dreimal so viele, wie derzeit Transplantate vermittelt werden können.

 

Wie viele Spender gibt es?

Als 2012 bekannt wurde, dass Ärzte an mehreren deutschen Universitätskliniken offenbar Patientendaten manipulierten und so die Vergabe von Spenderlebern beeinflussten, brachen die Spenderzahlen massiv ein. 2017 sanken die Organspendezahlen auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren. Für 2018 meldete die DSO nun erstmals seit Jahren wieder einen Aufwärtstrend. Bundesweit spendeten 955 Menschen nach ihrem Tod ihre Organe. Insgesamt 3113 Organe konnten zur Transplantation vermittelt werden.

 

Was waren die Gründe für den Rückgang?

Die Entwicklung liegt nicht unbedingt an einer abnehmenden Spendebereitschaft der Bevölkerung. Experten verweisen aber seit ängerem auf strukturelle und organisatorische Schwachstellen in den Kliniken. Auch die Vergütung ist ein Hemmnis. Als erfreulich wertete DSO-Vorstand Axel Rahmel, dass 2018 wieder deutlich mehr Krankenhäuser mögliche Organspender an die zuständige Koordinierungsstelle meldeten. Darin steckt noch viel Potenzial.L

 

Wie will die Politik die Probleme beheben?

Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, der eine bessere Vergütung für Kliniken vorsieht, die Spenderorgane entnehmen. Kleinere Entnahmekrankenhäuser sollen durch qualifizierte Ärzte unterstützt werden: Es soll künftig einen neurologischen Bereitschaftsdienst geben, der gewährleisten soll, dass jederzeit qualifizierte Ärzte zur Feststellung des Hirntods zur Verfügung stehen. Das ist eine Voraussetzung dafür, dass ein Spenderorgan entnommen werden kann.

 

Gibt es dabei einen Entscheidungszwang?

Nein, die Entscheidung für oder gegen eine Organspende ist in Deutschland nach wie vor freiwillig. Voraussetzung für eine Organ- oder Gewebespende ist, dass ein Verstorbener zu Lebzeiten dem zustimmte – beispielsweise auf einem Organspendeausweis. Wenn nicht, werden die Angehörigen nach dem mutmaßlichen Willen des Verstorbenen gefragt, was aber sehr belastend sein kann.

 

Wie sieht die derzeit diskutierte Widerspruchslösung aus?

Nach dieser Regelung wird eine Zustimmung zur Organspende vorausgesetzt, wenn ein Mensch zu Lebzeiten nicht ausdrücklich Nein sagt. Das bisher geltende Prinzip wird also umgekehrt. Bei der einfachen Widerspruchslösung kann nur der Spender selbst einer Organentnahme widersprechen. Die auch von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) favorisierte doppelte Widerspruchslösung räumt auch den Angehörigen noch das Recht zum Widerspruch ein. Kritiker sehen in der Widerspruchsregelung einen unzulässigen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht.

 

Welche Organe können gespendet werden?

Das sind Niere, Leber, Herz, Lunge, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm. Außerdem lassen sich Gewebe wie zum Beispiel Hornhaut oder Knochen verpflanzen. Im Spenderausweis können aber auch einzelne Organe ausgeschlossen werden.

 

Was sind die größten Ängste der Menschen?

Viele Menschen scheuen sich schlichtweg vor der Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod. Andere hält die diffuse Angst vor möglichem Missbrauch oder Organhandel ab – oder sie fürchten, dass im Ernstfall nicht mehr alles medizinisch Notwendige für sie getan wird. Für Laien ist vor allem der Hirntod als Voraussetzung für die Organentnahme oft schwer nachvollziehbar, weil der Verstorbene zumeist keines der allgemein bekannten Todeszeichen aufweist. Mit Hilfe von Maschinen und Medikamenten schlägt sein Herz.

(AFP)