ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:08 Uhr

Gesundheitsversorgung
Entlastung der Kliniken geplant

 Patienten sollen künftig zielgerichtet zu den zuständigen medizinischen Anlaufstellen geführt werden.
Patienten sollen künftig zielgerichtet zu den zuständigen medizinischen Anlaufstellen geführt werden. FOTO: dpa / Julian Stratenschulte
Berlin. Krankenhäuser klagen über volle Notaufnahmen. Minister Spahn (CDU) will eine Reform.

Als Jens Spahn an diesem Montag erläutert, wie künftig mit medizinischen Notfällen umgegangen werden soll, gibt er sich betont gelassen. Schon seit Jahren werden die Notaufnahmen der Krankenhäuser abends und am Wochenende von Patienten überlaufen, die dort eigentlich nicht hingehören. Das führt dazu, dass für echte medizinische Notfälle weniger Zeit zur Verfügung steht und dass die Kosten für die Versorgung dieser Patienten enorm hoch ausfallen.

Spahn ist nicht der erste Gesundheitsminister, der das ändern möchte. Das Problem ist bestens bekannt und analysiert. Doch die Funktionäre der eigentlich zuständigen Ärzteschaft streiten sich seit Jahren mit ihren Kollegen aus dem Krankenhaus-Bereich darüber, wie man es aus der Welt schaffen kann – ohne Ergebnis.

Mit dem am Montag in Umlauf gebrachten Arbeitsentwurf will Spahn dem Endlos-Zoff ein Ende setzen. „Wir wollen die Notfallversorgung neu organisieren“, betonte der Minister. Der Streit zwischen den Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) und der Krankenhausgesellschaft (DKG) werde durch die Übernahme politischer Verantwortung gelöst. Künftig soll nach Willen des Ministers keiner von beiden mehr für die Organisation des Bereichs zuständig sein, sondern die Länder. „Wir schaffen einen neuen Bereich“, erklärte Spahn und machte damit nicht weniger anderes als eine Kampfansage an die zuständigen Spieler im Gesundheitssystem.

Nach Spahns Worten sollen die Patienten künftig besser zu der für sie zuständigen Stelle geführt werden. Es werde keine Rolle mehr spielen, ob der Patient die „112“ (schwere Notfälle) oder die „116117“ (weniger schwere Fälle) wähle, der Anruf werde in einer Gemeinsamen Notleitstelle gebündelt und bearbeitet. In dem Gespräch entscheide der Leitstellen-Mitarbeiter dann anhand einer festgelegten Methodik, wie gravierend der Fall ist und wo er behandelt wird – sprich, ob sofort ein Krankenwagen geschickt oder dem Patienten für die nächsten Tage ein Termin bei einem niedergelassenen Arzt angeboten wird.

Auch sollen alle Patienten, die die Notaufnahme der Krankenhäuser aufsuchen, laut Plan vor der eigentlichen Behandlung nach der gleichen Methodik begutachtet werden. An einer Art zentralem Infotresen eines jeden Krankenhauses werde dann entschieden, ob es sich tatsächlich um einen schwerwiegenden Notfall handele oder ob der Patient ohne Schaden auch wieder nach Hause gehen könne. Diese sogenannten Integrierten Notfallzentren (INZ) sollen von Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten zusammen betrieben werden. Die Länder entscheiden über Zahl und Ort der INZ. Die Krankenkassen müssen ihre Versicherten über die nächstgelegene Einrichtung informieren.

Der Entwurf stieß erwartungsgemäß auf massive Ablehnung. Sowohl Ärzteschaft als auch Krankenhäuser und Kassen kritisierten, dass künftig die Länder für die Notfallversorgung zuständig sein sollen. Während Ärzteschaft und Kliniken die Aufgabe besser in den eigenen Händen aufgehoben sehen, fürchten die Kassen hohe Zusatzkosten.

 Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) stellt seinen Gesetzentwurf zur Reform der Notfallversorgung vor.
Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) stellt seinen Gesetzentwurf zur Reform der Notfallversorgung vor. FOTO: dpa / Jörg Carstensen
 Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) stellt seinen Gesetzentwurf zur Reform der Notfallversorgung vor.
Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) stellt seinen Gesetzentwurf zur Reform der Notfallversorgung vor. FOTO: dpa / Jörg Carstensen
 Patienten sollen künftig zielgerichtet zu den zuständigen medizinischen Anlaufstellen geführt werden.
Patienten sollen künftig zielgerichtet zu den zuständigen medizinischen Anlaufstellen geführt werden. FOTO: dpa / Julian Stratenschulte