ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:48 Uhr

Politik
Enkel wünscht sich Honecker-Grab in Berlin

Margot und Erich Honecker verlassen im Januar 1990 die Berliner Charité.
Margot und Erich Honecker verlassen im Januar 1990 die Berliner Charité. FOTO: dpa / ---
Berlin. Yañez Betancourt lüftet Familiengeheimnis: Erich und Margot Honecker sind noch nicht beigesetzt. Von Kirsten Baukhage

Erich und Margot Honecker sollen nach dem Wunsch ihres Enkels Roberto Yañez Betancourt in Berlin-Friedrichsfelde auf dem Friedhof der Sozialisten beigesetzt werden. In seinem neuen Buch „Ich war der letzte Bürger der DDR“ lüftet der 44-Jährige ein Familiengeheimnis, berichteten mehrere Zeitungen am Samstag. Die Urnen seiner Großeltern seien bisher gar nicht in chilenischer Erde begraben worden.

Der Wunsch des Enkels stößt bei den Linken in Berlin allerdings auf wenig Begeisterung. Der einstige DDR-Ministerpräsident in der Wendezeit nach dem Sturz Honeckers, Hans Modrow, und der Linke-Bundestagsabgeordnete Gregor Gysi halten den Friedhof der Sozialisten als letzte Ruhestätte der Honeckers für denkbar ungeeignet. Modrow befürchtet gar eine Anlaufstelle für wütende Ex-DDR-Bürger, sagte er.

Erich Honecker wollte am liebsten in seinem saarländischen Geburtsort Neunkirchen beigesetzt werden.
Erich Honecker wollte am liebsten in seinem saarländischen Geburtsort Neunkirchen beigesetzt werden. FOTO: picture alliance / Wolfgang Kumm / Wolfgang Kumm

Den Grund für den Wunsch des Enkels nannte Yánez Mitautor Thomas Grimm in dem Buch, das am heutigen Montag erscheint: Es sei immer der Wunsch des letzten DDR-Staats- und SED-Parteichefs gewesen, „in Deutschland seine letzte Ruhe zu finden – am liebsten in seinem saarländischen Geburtsort in Neunkirchen“, sagte der Mitautor.

Margot Honecker lebte seit Anfang der 1990er-Jahre in Santiago de Chile bei ihrer Tochter Sonja, die mit einem Chilenen verheiratet war. Auch ihr Mann Erich Honecker reiste Anfang 1993 nach Chile aus, nachdem in Deutschland der Prozess gegen ihn wegen Totschlags von DDR-Flüchtlingen wegen seiner Krebserkrankung eingestellt worden war. Ihr 15 Jahre älterer Mann lebte noch kurz bei Margot Honecker, bevor er im Alter von 81 Jahren am 29. Mai 1994 starb.

Die einstige First Lady der DDR habe die Urne ihres Mannes bis zu ihrem eigenen Tod 2016 bei einem guten Bekannten gelassen. Dieser bewahre jetzt auch die Asche der einst mächtigen DDR-Bildungsministerin auf, hieß es. Die Familie hoffe immer noch auf eine Gelegenheit, die beiden zusammen in Deutschland beizusetzen.

Margot Honecker bewahrte die Asche ihres Mannes bei einem Bekannten auf, dort lagert jetzt auch ihre Urne.
Margot Honecker bewahrte die Asche ihres Mannes bei einem Bekannten auf, dort lagert jetzt auch ihre Urne. FOTO: picture alliance / dpa / Frank Schumann

Allerdings sei Honecker-Tochter Sonja dagegen. Sie wolle die Asche ihrer Eltern in den Pazifik streuen. Enkel Roberto betrachtet seine Großeltern dagegen als Personen der deutschen Zeitgeschichte und hält es deshalb für richtig, sie in Deutschland zu beerdigen. „Am besten auf dem Friedhof der Sozialisten in Friedrichsfelde an der Seite ihrer ehemaligen Genossen“, beschrieb Grimm den Wunsch Robertos.

Modrow sagte dazu am Sonntag: „Die Gräber würden zu einem Ort werden, an dem die Leute nochmals ihren Hass auf die DDR ausleben könnten. Im Zweifel würden die Gräber sogar geschändet werden.“ Auch Gysi rät von einer Beerdigung auf dem Friedhof der Sozialisten ab.

Der Berliner CDU-Fraktionschef Burkard Dregger sieht ebenfalls keinen Grund, dem letzten DDR-Machthaber ausgerechnet dort die letzte Ruhestätte zu geben. Honecker sei mit dafür verantwortlich gewesen, „dass Berlin und Deutschland 28 Jahre geteilt waren und dass an dieser Grenze viele Menschen starben und verwundet wurden“, so Dregger.

Roberto Yañez Betancourt möchte seine Großeltern auf dem Sozialisten-Friedhfof in Friedrichsfelde begraben.
Roberto Yañez Betancourt möchte seine Großeltern auf dem Sozialisten-Friedhfof in Friedrichsfelde begraben. FOTO: picture alliance / dpa / Bernd von Jutrczenka

Roberto Yañez hätte auch formale Probleme. Auf der Zentralen Gedenkstätte würden seit 1990 keine neuen Grabstellen mehr vergeben. Die Gedenkstätte der Sozialisten wurde 1951 von der DDR- und SED-Führung offiziell eröffnet. Dort wurden Menschen beigesetzt, die sich für die sozialistische Idee verdient gemacht hatten. Noch heute erinnert die Linke jedes Jahr im Januar mit einem Gedenkmarsch an die 1919 ermordeten Kommunistenführer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht.