Die kommende Heizperiode steht im Zeichen von Energiesparen. Besonders das Gas ist knapp. Russland hat angekündigt, Gaslieferungen über Nord Stream 1 Ende August für drei Tage zu unterbrechen. Schon seit Wochen ist die Lieferungen aus Russland nach Deutschland gedrosselt. Daher will die Bundesregierung mit einer Verordnung bestimmte Maßnahmen herbeiführen. Hier sind alle Infos:
  • Welche Maßnahmen sollen im Herbst und Winter gelten?
  • Was gilt in öffentlichen Gebäuden?
  • Was gilt in privaten Gebäuden?
  • Was ist mit dem Einzelhandel?
  • Wann tritt die Verordnung in Kraft?

Energie sparen im Winter: Das gilt ab 1. September 2022

Verbraucher, Industrie und der öffentliche Dienst - sie alle sollen noch einmal nachlegen beim Energiesparen. „Nach dem derzeitigen Stand muss Deutschland etwa 20 Prozent Gaseinsparung erreichen, um eine Gasmangellage abzuwenden“, schreibt das Wirtschaftsministerium. Fünf bis acht Prozent seien schon geschafft, heißt es.
Eine Reihe von Maßnahmen soll zum 1. September in Kraft treten und den Energieverbrauch kurzfristig im nächsten halben Jahr, also bis Februar, drücken. Die entsprechende Verordnung hat das Kabinett bereits beschlossen, Bundestag und Bundesrat müssen nicht zustimmen.

Energieeinsparverordnung: 19 Grad in öffentlichen Gebäuden, kein warmes Wasser

  • Durchgangsbereiche wie Flure, Foyers oder Technikräume sollen nicht mehr geheizt werden - außer, es gibt dafür sicherheitstechnische Gründe.
  • Öffentliche Gebäude sollen nur noch bis höchstens 19 Grad geheizt werden. Das gilt, wenn die Menschen in den Räumen vorwiegend sitzen
  • Es soll kein warmes Wasser fürs Händewaschen in öffentlichen Gebäuden geben - es sei denn, das ist aus hygienischen Gründen vorgeschrieben.
  • Die Beleuchtung von Gebäuden und Denkmälern aus rein ästhetischen oder repräsentativen Gründen soll ausgeschaltet werden.
  • Beleuchtete Werbeanlagen sollen von 22 Uhr abends bis 16 Uhr ausgeschaltet werden.
Ausnahmen gibt es für Kliniken, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Schulen und Kindertagesstätten oder weiteren Einrichtungen, bei denen höhere Lufttemperaturen in besonderer Weise zur Aufrechterhaltung der Gesundheit, der sich dort aufhaltenden Personen, geboten ist.

Energie 2022 sparen: Vermieter müssen Mieter über hohe Energiekosten informieren

Im privaten Bereich soll es bestimmte Regelungen geben, die Mieter zum Energiesparen animieren sollen. Es soll aber keine verpflichtende Höchsttemperatur in Wohnungen geben. Folgende Maßnahmen sind aber geplant:
  • Klauseln in Mietverträgen, die eine bestimmte Mindesttemperatur vorsehen, sollen vorübergehend ausgesetzt werden.
  • Vermieter und Versorger, deren Gebäude mit Gas beliefert werden, sollen bis 30. September 2022 ihre Mieter darüber informieren, wie hoch die Energiekosten im kommenden Jahr werden könnten
  • Vermieter und Versorger, deren Gebäude mit Gas beliefert werden, sollen ihre Mieter bis 30. September darüber informieren, wie sie am besten Energie sparen und wie sich das dann auf die Kosten auswirkt

Verordnung: Keine beheizten Pools, Einzelhandel soll Türen schließen

Darüber hinaus gibt es für Besitzer von privaten Pools ebenfalls eine Regelung: Private Pools, ob drinnen oder draußen, sollen nicht mehr mit Gas und Strom geheizt werden dürfen.
Auch für den Einzelhandel soll es eine Energiesparmaßnahme geben: Das dauerhafte Offenhalten von Ladentüren und Eingangssystemen in Geschäftsräumen des Einzelhandels ist untersagt, so der Entwurf der Verordnung.
Der Einzelhandel in Deutschland will Energie und damit auch Energiekosten einsparen: Die Beleuchtung werde reduziert, Türen sollten nicht dauerhaft offenstehen, teilte der Handelsverband Deutschland (HDE) mit. Damit nicht bei geschlossenen Ladentüren weniger Kundinnen und Kunden ins Geschäft kämen, wolle der Einzelhandel ihnen mit Plakaten zeigen: "Türen zu, Geschäft offen".
Händlerinnen und Händler können die Plakate laut Verband herunterladen und selbst ausdrucken. Sie können sie auch beim HDE bestellen oder bei einigen Landesverbänden auch abholen.

Ab wann gelten die Regeln zum Energiesparen?

Die erste Energiesparverordnung soll ab dem 1. September sechs Monate lang gelten. Eine zweite Verordnung soll ab Oktober zwei Jahre lang gültig sein - vorgesehen ist etwa die Pflicht für Wohnungseigentümer zu einer jährlichen Heizungsprüfung und zum Austausch ineffizienter Heizungspumpen in Gebäuden mit Erdgasheizungen.