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„Null Toleranz“ gegen Gewalt
Härte auf der Ferieninsel

Paris. Emmanuel Macron hat Korsika zwei Tage lang einen heiklen Besuch abgestattet. Den Forderungen der Nationalisten erteilte er dabei eine Absage. Von Christine Longin

Gleich fünf Flaggen Frankreichs und der EU standen auf der Bühne, als Emmanuel Macron am Mittwoch in Bastia das Wort ergriff. Fünf Symbole um zu zeigen, dass Korsika französisch ist und bleiben wird. Dass der Präsident den Forderungen der Nationalisten, die die Regionalwahlen im Dezember gewonnen hatten, nicht nachgeben wird, hatte er bereits am Dienstag deutlich gemacht. Zum 20. Jahrestag der Ermordung des Präfekten Claude Erignac stellte er klar, dass es keine Amnestie für politische Gefangene geben werde. Den Angriff auf den obersten Repräsentanten des Staates auf der Insel stellte er in eine Reihe mit den Terroranschlägen von Paris. „Das war einer jener Terrorakte, die unsere Nation vor kurzem wieder erleben musste“, sagte er sehr zum Ärger der Nationalisten.

„Für uns ist diese Rede eine Katastrophe“, kommentierte ein korsischer Nationalist in der Zeitung „Le Figaro“ die Ansprache, der der Präsident des Regionalparlaments, Jean-Guy Talamoni, fernblieb. Die Nationalisten hatten sich viel vom zweitägigen Besuch des Präsidenten versprochen. Mit einer Demonstration, an der allerdings nur 6000 Menschen teilnahmen, machten sie am Wochenende Druck auf den Staatschef. Sie fordern Korsisch als offizielle Sprache neben dem Französischen, eine Verlegung der korsischen Gefangenen auf die Insel, eine Amnestie für „politische Gefangene“ sowie eine Verankerung der Besonderheiten Korsikas in der Verfassung. Ein besonderer Status für Bewohner Korsikas soll außerdem verhindern, dass Nicht-Einheimische auf der Insel Häuser kaufen. „So viele Forderungen, die, wenn sie erfüllt werden, die Tür zu einem katalanischen Szenario öffnen könnten“, warnte der „Figaro“.

Macron lehnte fast alle Forderungen bei seinem Besuch denn auch mit deutlichen Worten ab. „Korsika ist im Herzen der Republik, indem wir seine Besonderheit berücksichtigen“, sagte er in Bastia. Eine Verankerung des Sonderstatus von Korsika in der Verfassung sei möglich, allerdings nicht in dem von den Nationalisten geforderten Rahmen. Zu Sonderregelungen für Korsen beim Wohnungsbau sagte der Staatschef: „Das unterstellt, aus der Republik und aus Europa auszusteigen. Beide bringen Ihnen hier sehr viel.“ Macron wandte sich auch gegen eine offizielle Zweisprachigkeit. „In der Republik gibt es eine offizielle Sprache und das ist das Französische.“ Korsisch sei jetzt schon die Regionalsprache, die am meisten unterrichtet werde.

„Null Toleranz“ gegen Gewalt

Gleichzeitig stellte Macron Initiativen für eine Ankurbelung der Wirtschaft auf der Ferieninsel in Aussicht, die vom Ausbau der Infrastruktur über biologische Landwirtschaft bis hin zu sanftem Tourismus reichen. Laut der Statistikbehörde INSEE lebt einer von fünf Haushalten auf Korsika unterhalb der Armutsgrenze. Ein Investitionsprogramm für das Urlaubsparadies läuft bis 2020.

Gegen die Gewalt der Unabhängigkeitskämpfer, die die Ferieninsel jahrelang erschütterte, kündigte Macron „Null Toleranz“ an. Prominentestes Opfer dieser Gewalt ist der Präfekt Erignac, der am 6. Februar 1998 auf offener Straße erschossen wurde, als er gerade ins Theater gehen wollte. Sein verurteilter Mörder Yvan Colonna sitzt auf dem Festland im Gefängnis, auch wenn er die Tat stets leugnete. Colonnas Frau sprach Macron bei einem Bad in der Menge an und forderte ihn auf, ihren Mann näher an die Insel zu verlegen, damit ihr Sohn ihn besuchen könne. „Dass die Gefangenen in unserem Land ihre Familie sehen können, gehört zu den Dingen, für die wir sorgen werden“, versicherte Macron, ohne allerdings auf die Forderung der Nationalisten einzugehen, dass die korsischen Häftlinge künftig auf der Insel einsitzen.

Die Nationalisten stellte Macrons Rhetorik nicht zufrieden. Nach einem Treffen am Dienstagabend gaben Talamoni und Regierungschef Gilles Simeoni, der Colonna 2007 bei seinem Strafprozess verteidigt hatte, keinen Kommentar ab. Am Mittwochmittag sagten sie ein Mittagessen mit dem Staatschef kurzfristig ab.