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| 18:48 Uhr

„Not hat keine Nationalität“
EKD will ein eigenes Seenotschiff

 12.09.2019, Berlin: Christoph Hey (l) , Projektleiter in Libyen von Ärzte Ohne Grenzen, und Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, unterhalten sich zu beginn einer Pressekonferenz vor der Bundespressekonferenz zur Seenotrettung 2019. Foto: Wolfgang Kumm/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
12.09.2019, Berlin: Christoph Hey (l) , Projektleiter in Libyen von Ärzte Ohne Grenzen, und Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, unterhalten sich zu beginn einer Pressekonferenz vor der Bundespressekonferenz zur Seenotrettung 2019. Foto: Wolfgang Kumm/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ FOTO: dpa / Wolfgang Kumm
Berlin. In den nächsten Wochen soll dazu ein Trägerverein geschaffen werden.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) will zusammen mit verschiedenen zivilgesellschaftlichen Organisationen ein eigenes Flüchtlingsrettungsschiff ins Mittelmeer schicken. Das kündigte der Ratsvorsitzende der EKD, Bayerns Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, am Donnerstag vor Journalisten in Berlin an.

In den nächsten Wochen solle dazu ein Trägerverein geschaffen werden. Man rechne mit Kosten im hohen sechsstelligen bis niedrigen siebenstelligen Eurobereich. „Dass Menschen im Mittelmeer ertrinken, ist ein Thema, das niemanden kaltlassen sollte, erst recht keine Christen“, sagte Bedford-Strohm. „Jeder Mensch ist geschaffen zum Bilde Gottes, deswegen hat Not keine Nationalität.“ Die EKD und die Diakonie wollten sich mit dem Rettungsschiff „exemplarisch“ für Menschen in Not einsetzen.

Die Initiative für die Anschaffung des Schiffes war vom Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund ausgegangen. Dort hatten die Besucher in einer Resolution den Rat der EKD aufgefordert, ein Schiff ins Mittelmeer zu schicken. Schon zuvor hatte die EKD das Flugzeug „Moonbird“ der Organisation „Sea-Watch“, das von Malta aus nach Flüchtlingsbooten sucht, finanziell unterstützt. Christoph Hey von der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ berichtete am Donnerstag davon, dass in den Flüchtlingslagern in Libyen „erschreckende, unmenschliche Zustände“ herrschten. Die Menschen litten unter sehr, sehr schlechter Nahrungsmittelversorgung, Krankheiten wie Tuberkulose breiteten sich aus. „Die Menschen dort sind mitunter mehrere Jahre auf der Flucht“, sagte Hey.

Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) berichtete von  mehr als 90 Städten, die sich seit Herbst 2018 als „Sichere Häfen“ zur Aufnahme von Bootsflüchtlingen bereit erklärt hätten. 24 von ihnen hätten sich seit Juni einem in in Potsdam gegründeten Bündnis „Städte Sicherer Häfen“ angeschlossen. „Uns geht es um ein vernünftiges Vorgehen und einen vernünftigen Umgang bei der Aufnahme von Flüchtlingen“, sagte Schubert. Der SPD-Politiker kritisierte, dass das Bundesinnenministerium zwar die Bereitschaft der Städte zur Aufnahme von Bootsflüchtlingen gewürdigt habe, dass konkrete Maßnahmen bislang aber nicht getroffen wurden. „Wir brauchen hier einen mit der kommunalen Ebene und den Ländern verhandelten konkreten Verteilungsschlüssel“, so Schubert.

Scharf wies Schubert Vorwürfe zurück, mit der Seenotrettung würde Rechtsbruch begangen: „Es wird für aus Seenot Gerettete keine anderen Asylverfahren geben als für andere Menschen auch.“ Von der neuen Brandenburger Landesregierung erhoffe er sich, dass sie die Städte bei ihren Vorhaben unterstütze und dazu in Berlin aktiv werde.

Die im Landtagswahlkampf geäußerte Idee der Brandenburger Linken, ein eigenes Brandenburger Rettungsschiff zu schicken, wies Schubert  allerdings  zurück: Dies sei letztlich  nicht  Aufgabe  des Landes.

 Christoph Hey (l.) , Projektleiter in Libyen von Ärzte ohne Grenzen, und Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, unterhalten sich zu Beginn der Pressekonferenz zur Seenotrettung 2019.
Christoph Hey (l.) , Projektleiter in Libyen von Ärzte ohne Grenzen, und Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, unterhalten sich zu Beginn der Pressekonferenz zur Seenotrettung 2019. FOTO: dpa / Wolfgang Kumm