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| 10:11 Uhr

Hier in NRW
Eine neue Initiative könnte für mehr Ermittlungserfolge bei sexualisierter Gewalt sorgen.

Es gibt Initiativen der Landesregierung, an denen kommt keiner vorbei. Am Montag zum Beispiel hielt NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) eigens eine Pressekonferenz ab, weil von Juli an jeder Firmengründer in NRW sein Gewerbe online anmelden kann. Das ist gut, aber auch viel Aufmerksamkeit für ein Vorhaben, das nur etwa 1,5 Prozent der Erwerbsfähigen in NRW betrifft. Mehr Gründer sind es nämlich laut Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) nicht.

Und es gibt Initiativen der Landesregierung, die kaum einer mitbekommt. Obwohl sie mehr Menschen betreffen. Dazu zählt der Vorstoß von Gleichstellungsministerin Ina Scharrenbach (CDU) zur anonymen Spurensicherung. Jede siebte bis zehnte Frau wird Statistiken zufolge im Laufe ihres Lebens Opfer sexualisierter Gewalt, also sexueller Übergriffe bis hin zur Vergewaltigung. Und damit sind nur die Frauen erfasst. Die Täter können bisher aus Mangel an Beweisen häufig nicht verurteilt werden. Um dies zu verhindern, ist es wichtig, die Spuren einer Vergewaltigung zeitnah zu sichern. Bisher geschieht das meist nur, wenn die Betroffenen auch sofort Anzeige erstatten. Kurz nach der Tat sind viele Opfer aber so verstört, dass sie diese Entscheidung nicht treffen können. Zumal viele von ihnen die Täter kennen. Die anonyme Spurensicherung hingegen ermöglicht Betroffenen eine rechtssichere ärztliche Dokumentation ihrer Verletzungen, ohne sofort Anzeige erstatten zu müssen. Die Spuren werden je nach Klinik bis zu 20 Jahre aufbewahrt. Es ist daher gut, dass Scharrenbach die anonyme Spurensicherung nun in die Konferenz der Gleichstellungsminister einbringt. Sie will das Verfahren flächendeckend zum Standard machen und fordert die Unterstützung des Bundes ein. Die ist auch nötig: Pro Kreis stehen 2018 dafür in NRW nur 7000 Euro zur Verfügung.

IIhre Meinung? Schreiben Sie unserer Autorin: kolumne@rheinische-post.de

(RP)