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Machtübergabe
Eine CSU-Doppelspitze soll es richten

Nun doch eine geordnete Machtübergabe im Freistaat? Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (l.) und sein Finanzminister Markus Söder (r.) wollen ab sofort eng zusammenarbeiten.
Nun doch eine geordnete Machtübergabe im Freistaat? Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (l.) und sein Finanzminister Markus Söder (r.) wollen ab sofort eng zusammenarbeiten. FOTO: Amelie Geiger / dpa
Berlin. Die Bayern-Partei wagt den Neuanfang. Markus Söder soll Ministerpräsident werden. Von Hagen Strauß

Ob das gut geht? Zwei Erzrivalen, die zuletzt nur noch das Nötigste miteinander gesprochen haben, sollen die CSU jetzt aus der Krise und zu neuer Stärke führen.

Markus Söder wird Horst Seehofer nach zehn Jahren als Ministerpräsident in Bayern Anfang nächsten Jahres beerben, der wiederum darf Parteichef bleiben. Vor allem, um die CSU bei Verhandlungen über eine Große Koalition im Bund anzuführen. Auf Twitter spottete SPD-Mann Florian Pronold: „Hang zu Schmutzeleien und charakterliche Defizite, so Seehofer über Söder. Das sind also die Eigenschaften, die innerhalb der CSU zum Ministerpräsidenten qualifizieren . . .“

An dem Tweet ist was dran. Den Vorwurf der „Schmutzeleien“ hatte Seehofer vor einigen Jahren mal gegen Söder erhoben, weil der machthungrige und karrierebewusste bayerische Finanzminister kein politisches Foul scheute. Jetzt müssen sich beide zusammenraufen. Und prompt wollte Seehofer gestern vor der Presse vom alten Zwist zwischen ihm und „dem Markus“ nichts mehr wissen. Man habe in den letzten Tagen mehrere Gespräche geführt, die – ein kleines Wunder – auch vertraulich geblieben seien. „Ich habe Markus Söder und er mir eine gute Zusammenarbeit versprochen.“ Sicherheitshalber schob Seehofer nach, der Ankündigung müssten auch Taten folgen. Das konnte als Aufforderung an Söder verstanden werden.

Am Morgen hatte sich die CSU-Landtagsfraktion einstimmig für Söder als neuen Ministerpräsidenten ausgesprochen – 100 Prozent sozusagen. Die Abgeordneten gelten als Machtbastion des 50-Jährigen. CSU-Frau Dorothee Bär schwärmte: „Er wird ein guter Landesvater werden.“ Später stimmte auch der Vorstand dem personellen Umbruch zu.  Beim Parteitag  Mitte Dezember in Nürnberg, wenn Seehofer sich zur Wiederwahl als Vorsitzender stellt, werden die Augen nun noch mehr auf beide gerichtet sein. Dort gilt es, möglichst viele Zeichen der neuen Harmonie zu senden. Bei früheren Parteitagen gingen sich die Rivalen schon mal aus dem Weg – und zwar so, dass es jedem auffiel. Schmutzeleien eben.

Es sei wichtig gewesen, betonte Söder, „eine Formation zu finden, die nicht gegeneinander, sondern miteinander spielt“. Ähnlich sah es Seehofer: „Die Lösung, die wir jetzt haben, ist die erfolgsversprechende.“ Das ist ein erstaunlicher Sinneswandel. Noch bis Ende vergangener Woche hatte der 68-Jährige nämlich tatkräftig versucht, den Karrieresprung Söders zu verhindern und mögliche Alternativen in Stellung zu bringen.

Doch weder der bayerischen Wirtschaftsministerin Ilse Aigner noch dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann traute die Mehrheit der Funktionäre zu, die CSU wieder aus der Krise zu führen. Darum wissend, zog Herrmann kurzfristig seine schon angekündigte Gegenkandidatur wieder zurück. Jede andere Entscheidung hätte den Machtkampf in der CSU nur weiter angeheizt. In ihrem Frust scharrten sich überdies in den letzten Wochen immer mehr Christsoziale hinter Söder, was Seehofer nicht verborgen blieb. Auch ehemalige Gegner des Franken.

Bei der CSU werde nun ein „neues Kapitel“ aufgeschlagen, kündigte Söder an. Seit ihrem Absturz bei der Bundestagswahl auf 38,8 Prozent ist die absolute Mehrheit im Freistaat bei der Landtagswahl im kommenden Jahr akut gefährdet und damit einhergehend die bundespolitische Bedeutung der CSU. Söder soll es nun richten. Bleibt die Frage, ob Seehofer eventuell nach Berlin wechselt. Darauf angesprochen antwortete er: „Ich bin jetzt nicht in der Karriereplanung für mich, wirklich nicht.“

Gleichwohl soll Angela Merkel ihm ein solches Angebot bereits gemacht haben – allerdings mit Blick auf eine Jamaika-Koalition. Und die ist bekanntlich nicht zustande gekommen.