| 06:17 Uhr

Ein schwieriger Gast

Der Papst war um klare Worte nicht verlegen, als er bei seinem Besuch in der Türkei 2014 die Glaubens- und Meinungsfreiheit anmahnte und sogar den türkischen Genozid an den christlichen Armeniern anprangerte. Martin Kessler

Vier Jahre später macht Präsident Erdogan seinen Gegenbesuch im Vatikan, den ersten eines türkischen Staatschefs seit 59 Jahren. Und es hat den Anschein, als träfen sich zwei alte Bekannte. Als entspannt bezeichneten Anwesende die Gespräche. Über die Ablehnung Jerusalems als alleinige Hauptstadt Israels waren sich die beiden völlig einig.

Es ist gut, dass Papst Franziskus schwierige Gäste empfängt. Doch er hätte deutlicher gegenüber Erdogan sein können. Denn der trägt mit seiner autoritären Politik nach innen und seinem Angriffskrieg gegen die Kurden nicht zu Freiheit, Stabilität und Frieden in der Region bei. Auch die Behinderung der Christen in der Türkei, das faktische Verbot, neue Kirchen zu bauen, passt nicht zur gezeigten Eintracht zwischen den beiden. Um des lieben Friedens willen darf Franziskus nicht zum Leisetreter werden.