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Ein lauter Knall und ein "Feuerball"

Rettungskräfte helfen den Passagieren, den Zug zu verlassen.
Rettungskräfte helfen den Passagieren, den Zug zu verlassen. FOTO: dpa
London. Noch Stunden nach der Bombenexplosion in einer Londoner U-Bahn herrscht Ausnahmezustand an der Haltestelle Parsons Green. Die Straßenzüge um den oberirdischen Bahnhof im Zentrum der Metropole sind weiträumig abgesperrt, Hubschrauber kreisen am Himmel. Christoph Meyer

Spürhunde suchen jeden Zentimeter vor dem Bahnhof ab. Für die Londoner sind solche Bilder schon fast traurige Routine.

Zum vierten Mal wird die britische Hauptstadt in diesem Jahr Ziel eines Anschlags. Gerade ist ein wenig Ruhe eingekehrt, da holt der Terror die britische Hauptstadt wieder ein: Eine selbst gemachte Bombe explodiert am Freitagmorgen zur Hauptverkehrszeit in einem U-Bahn-Waggon. Mindestens 22 Menschen werden verletzt - und möglicherweise hatten sie dabei noch großes Glück.

In sozialen Netzwerken kursieren Fotos eines brennenden weißen Eimers, der in einer Supermarkttüte steckt. Die Bombe ist wahrscheinlich nicht wie geplant hochgegangen, spekulieren britische Medien unter Berufung auf Polizeikreise. Trotzdem war es heftig: Augenzeugen berichten von einem lauten Knall und einem "Feuerball" im Waggon. Viele Menschen erleiden Verbrennungen. Panik bricht aus, im Gedränge zu den Ausgängen spielen sich dramatische Szenen ab.

"Wir liefen die Treppen runter, und es hat sich angefühlt, als würden wir um unser Leben laufen", sagt ein Mann namens Luke dem Sender BBC5. Eine Frau namens Emma schildert: "Nach einer Weile stapelten sich die Menschen übereinander, weil einige beim Laufen hingefallen waren."

Wer verantwortlich ist für den blutigen Anschlag, bleibt zunächst unklar. Die Suche nach dem Täter oder den Tätern läuft auf Hochtouren. Es gibt kaum eine Stadt, die so vollständig mit Videokameras überwacht wird wie London. Dementsprechend sind sich viele Menschen sicher, dass die Verantwortlichen bald gefasst werden. Hunderte Beamte seien im Einsatz, um Videomaterial auszuwerten, Beweismittel sicherzustellen und mit Augenzeugen zu sprechen, versichert der Anti-Terror-Chef der Londoner Polizei Mark Rowley.

Doch es gibt auch Kritik: Londons Bürgermeister Sadiq Khan sieht Kürzungen im Haushalt mit als Grund für den Anstieg der Terroranschläge. "Es ist schlicht nicht möglich für eine globale Stadt wie London, seine Bürger, Besucher und Unternehmen zu beschützen, wenn die Regierung weiterhin Gelder kürzt."

Bei Anschlägen in Großbritannien kamen seit Beginn des Jahres insgesamt 36 Menschen ums Leben. Fünf Menschen starben im März bei einem Angriff auf der Westminster-Brücke und dem Parlamentsgelände. Acht Tote war die Bilanz eines Anschlags auf der London-Bridge und dem Ausgehviertel Borough Market im Juni. Ein Mensch starb bei einem Angriff auf Gläubige vor einer Moschee, beim Bombenattentat auf ein Konzert in Manchester waren es 22 Menschen.

"Die Terroristen haben sich vorgenommen, uns zu töten, uns zu verletzten, unseren Lebensstil zu zerstören", sagt Khan. Und ergänzt trotzig, die Londoner ließen sich niemals vom Terror einschüchtern.