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| 17:18 Uhr

Bildung
Durchwachsene Noten

Positiver Aspekt: Weit mehr Kinder als früher besuchen eine Kita. Der Anteil der Unter-Drei-Jährigen, die in frühkindliche Bildungseinrichtungen gehen, stieg von 17 Prozent 2005 auf 37 Prozent 2016, so die Studie.
Positiver Aspekt: Weit mehr Kinder als früher besuchen eine Kita. Der Anteil der Unter-Drei-Jährigen, die in frühkindliche Bildungseinrichtungen gehen, stieg von 17 Prozent 2005 auf 37 Prozent 2016, so die Studie. FOTO: dpa / Friso Gentsch
Berlin. Wie gut schneidet Deutschland beim neuen Ranking zur Bildung ab? dpa

Vor 17 Jahren schockte die erste Pisa-Studie die deutsche Öffentlichkeit. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigte auf, dass die Leistungen der deutschen Schüler unterdurchschnittlich waren. Die Schulleistung war besonders in Deutschland stark an die soziale Herkunft gekoppelt. Am Dienstag stellte die OECD eine neue Bildungsstudie vor. Was sind die Perspektiven heute?

Hat die OECD Deutschland zuletzt immer noch ein schlechtes Zeugnis ausgestellt?

Nein, zumindest nicht durchgängig. Eine neue Pisa-Auswertung im Februar zeigte: In kaum einem anderen Land ist der Anteil sozialschwacher Schüler mit soliden Leistungen so deutlich gewachsen wie in Deutschland – von 25,2 im Jahr 2006 auf 32,3 Prozent 2015.

Warum holte Deutschland hier auf?

Die Gründe liegen laut den OECD-Experten auf der Hand: mehr Ganztagsschulen, mehr gemeinsamer Unterricht mit bessergestellten Schülern, mehr frühe Bildung in den Kitas.

Sind damit die Probleme bei der Bildung in Deutschland nun gelöst?

Nein. Noch immer schneidet Deutschland bei der Bildungsgerechtigkeit schlechter ab als der OECD-Durchschnitt. Laut dem Bildungsbericht 2018 einer unabhängigen Forschergruppe im Auftrag von Bund und Ländern gibt es eine verfestigte Spaltung zwischen Bildungsgewinnern und -verlierern. Fast jeder zehnte Jugendliche in Stufe 9 verfehlt den Mindeststandard beim Lesen. Dagegen stieg der Anteil der Schulabsolventen mit Abitur binnen zehn Jahren von 34 auf 43 Prozent 2016.

Welche Probleme gibt es noch?

Etwas mehr Grundschüler können heute Texte nicht gut verstehen als um die Jahrtausendwende. Ob bei Mathe, Zuhören oder Rechtschreibung – auch hier wurden sie binnen fünf Jahren im Schnitt schlechter. Das zeigten Schulstudien im vergangenen Herbst (Iglu und IQB-Bildungstrend).

Was plant die Koalition?

Unter anderem eine Investitionsoffensive für Schulen und deren flächendeckende Digitalisierung, mehr Ganztagsangebote für Grundschüler und mehr Geld für den Kitaausbau, wobei Eltern auch bei den Gebühren entlastet werden sollen.

Was fordern die Gewerkschaften?

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) verlangt eine gezielte Förderung von Schulen in Brennpunktbezirken. „Die Kinder in den hier gelegenen Schulen brauchen mehr Unterstützung und Förderung“, sagt GEW-Chefin Marlis Tepe. „Deshalb müssen dort mehr Lehrkräfte eingestellt werden, so dass die einzelnen Lehrer weniger Pflichtstunden unterrichten müssen. Es sind oft Kinder, die zu Hause keine Bücher vorgelesen und keinen Zugang etwa zu klassischer Musik bekommen. Für sie sind etwa künstlerische Projekte wichtig, Rollenspiele, die Erarbeitung beispielsweise von Theater- oder Zirkusprojekten.“

Was kann noch getan werden?

OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher plädiert für ein Individualisieren des Lernens. Dabei sei gutes Schulklima zentral. Die Lehrer müssten einen Geist des Zusammenwirkens an ihrer Schule empfinden. Schlecht sei hohe Lehrerfluktuation. Gut sei ein vertrauensvolles Verhältnis an den Schulen. Lehrer bräuchten Zeit außerhalb der Unterrichtsstunden, sich um schwächere Schüler zu kümmern oder auch Talente zu fördern.

Was erschwert Verbesserungen in Deutschland?

Unter anderem der Lehrermangel. Deswegen gibt es immer mehr Seiteneinsteiger. Tepe sagt, die Länder täten viel zu wenig dagegen. „Dass viele Quer- und Seiteneinsteiger eingestellt werden, ist in der Not richtig“, meint sie. Diese müssten aber pädagogisch nachqualifiziert werden – und zwar bevor sie das erste Mal vor einer Klasse stehen, in der Schule und berufsbegleitend. „Zudem muss nun endlich die Zahl der Studien- und Referendariatsplätze für Lehrkräfte kräftig erhöht werden.“ Sie erwarte, dass sich die Kultusministerkonferenz (KMK) und die Hochschulrektorenkonferenz darauf verständigen.