| 17:27 Uhr

Interview mit dem Nahles-Gegenkandidaten Dirk Diedrich
„Und wenn ich nur ein kleiner Loser bin“

Die SPD macht unruhige Zeiten durch - und wird dafür von ihren eigenen Mitgliedern und anderen Parteien kräftig kritisiert.
Die SPD macht unruhige Zeiten durch - und wird dafür von ihren eigenen Mitgliedern und anderen Parteien kräftig kritisiert. FOTO: Karl-Josef Hildenbrand / dpa
Berlin. Andrea Nahles soll nach dem Willen des Parteivorstandes neue SPD-Vorsitzende werden. Beim Parteitag im April wird sie sich gegen nunmehr zwei Gegenkandidaten durchsetzen müssen – von denen einer jedenfalls lediglich von einem Angebot spricht.

Und noch ein Konkurrent für Andrea Nahles: Nach der Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange bietet sich nun auch Dirk Diedrich an, neuer Parteivorsitzender zu werden. Der Berufsschullehrer ist Ratsmitglied in Heide, stellvertretender Kreisvorsitzender der SPD Dithmarschen und Mitglied des SPD-Landesvorstandes Schleswig-Holstein. Seit mehr als 30 Jahren gehört er der SPD an. Die RUNDSCHAU sprach mit dem 50-Jährigen über seine Motive.

Herr Diedrich, Sie kandidieren nun auch für den SPD-Vorsitz…

Diedrich ...die Formulierung stößt mir ein bisschen auf, denn ganz korrekt ist das mit der Kandidatur nicht. Ich stelle mich lediglich zur Verfügung.

Das heißt?

Diedrich Eine Kandidatur wäre ja, ich schreibe ein Bewerbungsschreiben und schlage mich als Kandidaten vor. Ich trete aber nicht an, sondern ich biete mich an. Und zwar den Ortsvereinen und kleinen Gliederungen, den ganz normalen Leuten, die bei uns in der SPD sind. Ich möchte mit ihnen in den Diskurs treten, und dann können die Ortsvereine mich vorschlagen und sagen, wir haben da einen, das ist der Diedrich in Heide.

Warum stellen Sie sich zur Verfügung?

Diedrich Die SPD hat im Dezember auf ihrem Parteitag beschlossen, dass ein Wind der Erneuerung durch die Partei gehen und es mehr Basisdemokratie geben soll. Natürlich war das alles unter der Prämisse, Martin Schulz bleibt zwei Jahre. Jetzt haben wir aber die Situation, dass wir einen neuen Vorsitzenden brauchen. Wenn man dann liest, dass mein Landeschef Ralf Stegner schon twittert, er freue sich auf Andrea Nahles als Parteichefin – so kann es doch nicht gehen. Wir brauchen doch eine Wahlmöglichkeit. Und wenn ich nur ein kleiner Loser bin, das ist doch egal. Man muss doch wählen können.

Halten Sie denn Andrea Nahles für die falsche Vorsitzende?

Diedrich Das hab ich nicht gesagt. Wenn sie gewählt wird, kann ich mit ihr als Vorsitzende leben, hervorragend sogar. Dafür ist Demokratie doch da.

Nun gibt es auch noch Simone Lange, die Flensburger Oberbürgermeisterin, die Parteichefin werden will. Gilt bei der SPD inzwischen das Prinzip, einer geht noch?

Diedrich So ist mein Hut in den Ring werfen nicht gemeint. Mit geht es nur um den Wettbewerb. Und Simone hat vollkommen richtig gesagt, sie möchte den Mitgliedern ein Angebot sein. Ähnliches bin ich auch. Ich habe aber keinen Brief an den Bundes- oder Landesvorstand geschrieben, sondern mich in einem Blog-Beitrag an die Mitglieder gewendet. Mehr habe ich nicht gemacht.

Sie tragen nun aber schon dazu bei, dass die SPD weiter übers Personal diskutiert, was die Führung ja partout nicht mehr will.

Diedrich Die Personaldebatte hat jemand ausgelöst, der gesagt hat, ich mache heute dies und morgen das. Und dann hat derjenige auch noch erklärt, ich trete jetzt zurück. Er hätte ja auch sagen können, bis nach der Mitgliederbefragung mache ich das noch. Das wäre doch ganz klug gewesen oder nicht?

Mag sein. Sie rechnen sich aber nicht ernsthaft Chancen aus, SPD-Chef zu werden, oder?

Diedrich Nein, natürlich nicht. Ich habe doch meine Arbeit: Ich bin stellvertretender Kreisvorsitzender, ich sitze im Stadtrat. Ich habe viel zu tun.

Mit Dirk Diedrich
sprach Hagen Strauß