Drei Jahre nach dem islamistischen Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche hat Berlin der Opfer gedacht. Trauernde kamen am Donnerstag zu dem Mahnmal in der City-West, legten Blumen nieder, entzündeten Kerzen und verharrten still. Am Abend läuteten die Glocken.

Schäuble: Opfer sind nicht vergessen

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) betonte im Bundestag, die Opfer seien nicht vergessen. Der Anschlag habe tiefe Wunden, Trauer, Schmerzen und Traumata sowie „eine bleibende Verletzung in unserer Gesellschaft“ hinterlassen. Es sei deutlich geworden, dass die freiheitliche Demokratie verwundbar sei.

Der islamistische Attentäter Anis Amri war am 19. Dezember 2016 mit einem entführten Lastwagen in den Weihnachtsmarkt gefahren. Er hatte zuvor den Lastwagenfahrer erschossen und dann elf Besucherinnen und Besucher des Marktes getötet. Dutzende Menschen wurden verletzt, viele von ihnen schwer. Amri wurde später auf der Flucht in Italien erschossen. Mehrere Parlamentarische Untersuchungsausschüsse versuchen seitdem, Fehler und Versäumnisse von Behörden aufzuarbeiten.

Verletzte leiden bis heute

Mindestens zwölf Überlebende erhalten bis heute Pflegeleistungen, teilte der Opferschutzbeauftragte des Bundes, Edgar Franke, mit. „Ein Verletzer muss rund um die Uhr gepflegt werden.“ Er wisse persönlich von etwa 20 Betroffenen, die weiter unter den psychischen Folgen litten. Etwa ebenso viele Menschen könnten bislang nicht mehr so wie vor dem Anschlag arbeiten.

Laut Franke wurden bisher rund 4,3 Millionen Euro finanzieller Hilfen an Betroffene und Hinterbliebene ausgezahlt. Die Höhe der Opferrenten beträgt demnach für Verletzten je nach Grad der Schädigung zwischen 151 und 784 Euro im Monat. Mindestens drei Menschen würden lebenslang monatliche Entschädigungszahlungen erhalten.

Angehörige fühlen sich alleingelassen

Viele Angehörige hatten nach dem Anschlag beklagt, sie seien allein gelassen worden und hätten sich durch einen Bürokratiedschungel kämpfen müssen. Später wurden Hilfen verstärkt, Anlaufstellen eingerichtet und Gesetze geändert.

Er könne verstehen, dass sich einige Überlebende und Ersthelfer bis heute von Behörden vernachlässigt fühlten, sagte der Opferbeauftragte des Berliner Senats, Roland Weber, dem Radiosender radioeins. Jedoch habe sich auch einiges verändert. „Wir haben hier in Berlin eine zentrale Anlaufstelle geschaffen, damit künftig sofort die zwischenmenschliche Betreuung funktioniert.“

Polizei sieht nach wie vor hohe Gefahr

Aus Sicht der Gewerkschaft der Polizei hat sich beim Schutz vor terroristischen Anschlägen nur wenig getan. Zu viele Entscheidungen würden auf die lange Bank geschoben. Islamistische Gefährder sollten einheitlich unter Federführung des Bundeskriminalamtes überwacht und Daten besser mit den Ländern ausgetauscht werden, forderte der Berliner Landeschef Norbert Cioma.

Für den Abend war in der Gedächtniskirche eine Andacht geplant. Nach der Andacht wurden am Mahnmal „Der Riss“ am Breitscheidplatz die Namen der Getöteten verlesen. Um 20.02 Uhr – dem Zeitpunkt des Anschlags – sollten die Glocken der Gedächtniskirche zwölf Mal schlagen.