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| 20:26 Uhr

Akte des US-Präsidenten aus Praxis mitgenommen
Trumps langjähriger Arzt erhebt schwere Vorwürfe

US-Präsident Donald Trump bei einer Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin (Archivbild).
US-Präsident Donald Trump bei einer Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin (Archivbild). FOTO: dpa, wok pil
New York. Der langjährige Arzt von Donald Trump tritt mit schweren Vorwürfen gegen den US-Präsidenten an die Öffentlichkeit. Trump-Mitarbeiter hätten kurz nach Amtsantritt des Präsidenten dessen Patientenakte von ihm entwendet.

Der langjährige Arzt von Donald Trump tritt mit schweren Vorwürfen gegen den US-Präsidenten an die Öffentlichkeit. Trump-Mitarbeiter hätten kurz nach Amtsantritt des Präsidenten dessen Patientenakte von ihm entwendet.

Doktor Harold Bornstein gab zudem zu Protokoll, zuvor während des Wahlkampfs einen Brief über Trumps angeblich hervorragenden Gesundheitszustand nicht selber verfasst, sondern von Trump "diktiert" bekommen zu haben.

Der Mediziner sagte im US-Sender NBC News, drei Männer hätten am 3. Februar 2017, also zwei Wochen nach Trumps Vereidigung, seine New Yorker Praxis gefilzt und dabei Trumps Akte mitgenommen.

Es handelte sich demnach um Trumps Leibwächter Keith Schiller, einen Anwalt der Trump-Unternehmen, Alan Garten, sowie einen Unbekannten. Sie seien rund 25 bis 30 Minuten dagewesen und hätten "großes Chaos" angerichtet.

Wegen der "Durchsuchung" habe er sich "vergewaltigt, erschrocken und traurig" gefühlt, sagte der Mediziner, der laut NBC News 35 Jahre lang für Trump gearbeitet hatte. Er habe die Herausgabe der Akte nicht auf dem dafür vorgesehenen Formular genehmigt. Der Vorgang soll damit dem Sender zufolge gegen das Patientenschutzgesetz verstoßen haben.

Weißes Haus spricht von "Standard"

Das Weiße Haus bezeichnete den Vorgang dagegen als "Standard". Es sei ein übliches Verfahren, dass die Patientenakte des Präsidenten in den Besitz der medizinischen Abteilung des Weißen Hauses übergehe, sagte Sprecherin Sarah Sanders. Sie bestritt, dass es sich um eine "Durchsuchung" gehandelt habe.

Zwei Tage vor dem angeblichen Erscheinen der Trump-Mitarbeiter in Bornsteins Praxis hatte die "New York Times" den Arzt damit zitiert, dass er dem Immobilienmogul und TV-Star über Jahre hinweg ein Haarwuchsmittel verschrieben habe.

Wegen des Artikels habe er seinen Job für Trump verloren, berichtete der Arzt. "Ich konnte nicht glauben, dass irgendjemand eine große Sache aus einem Haarwuchsmittel macht", sagte der 70-Jährige. Er bestritt, mit seinen Angaben dazu gegen die ärztliche Schweigepflicht verstoßen zu haben.

In einem anderen Interview erzählte Bornstein, dass sein Brief vom Dezember 2015 zu Trumps Gesundheitszustand in Wahrheit von dem damaligen Präsidentschaftskandidaten selbst gestammt habe. Trump habe ihm damals "das Schreiben komplett diktiert", sagte der Arzt dem Sender CNN.

In dem Brief hatte es geheißen, "im Fall der Wahl von Herrn Trump kann ich zweifelsfrei erklären, dass er die gesündeste Person sein wird, die jemals zum Präsidenten gewählt wurde". Monate später hatte der Arzt erklärt, er habe den Text in Eile geschrieben, während Trumps Wagen wartete.

Wirbel um Trumps Leibarzt Jackson

Eine gute körperliche wie auch mentale Verfassung hatte Trump im vergangenen Jahr auch von seinem Leibarzt im Weißen Haus, Ronny Jackson, bescheinigt bekommen. Der Präsident nominierte Jackson später als Veteranenminister - eine Kandidatur, die Jackson in der vergangenen Woche wegen zunehmender Vorwürfe zurückzog.

Unter anderem wird dem Konteradmiral vorgeworfen, freigiebig Medikamente verteilt und während der Arbeit betrunken gewesen zu sein. Dem Onlinemagazin "Politico" zufolge wird Jackson nach Rückzug seiner Kandidatur auch nicht mehr Trumps Leibarzt sein.

(oko)