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Schwester von Martin Schulz rechnet ab
"Die SPD ist eine echte Schlangengrube"

"Zeit für mehr Gerechtigkeit": Wahlplakat für Martin Schulz (Archiv).
"Zeit für mehr Gerechtigkeit": Wahlplakat für Martin Schulz (Archiv). FOTO: dpa, pdz lof
Die Schwester des scheidenden SPD-Chefs Martin Schulz, Doris Harst, hat den Umgang der Parteispitze mit ihrem Bruder scharf kritisiert. Martin Schulz sei "belogen und betrogen" worden, sagt Harst in einem Interview.

Die SPD habe sich dabei "als eine echte Schlangengrube erwiesen", sagte Harst der "Welt am Sonntag" weiter. Fraktionschefin Andrea Nahles, SPD-Vize Olaf Scholz und andere machten "ihn zum Sündenbock für alles".

Die selbst seit Jahrzehnten in der SPD engagierte Harst fügte hinzu: "Dabei könnten sie Martin dankbar sein, nicht nur, weil er in ihrem Sinne Sigmar Gabriel abserviert hat."

Ihr werde "übel", wenn sie Äußerungen des Vizevorsitzenden Ralf Stegner höre oder wenn Juso-Chef Kevin Kühnert sage, "nachdem die Personalie Schulz vom Tisch ist".

"Belogen und betrogen"

Damit werde deutlich: "Mein Bruder ist nur belogen und betrogen worden", sagte Harst. "Deshalb war, nach seiner erfolgreichen Zeit als Spitzenpolitiker in Brüssel und Straßburg, die Schlangengrube Berlin, die er völlig unterschätzt hat, nichts für ihn."

Nach der Einigung auf einen Koalitionsvertrag mit CDU und CSU hatte Martin Schulz angekündigt, sich als Parteichef zurückziehen und als Außenminister in ein schwarz-rotes Kabinett eintreten zu wollen. An die Parteispitze soll Fraktionschefin Nahles rücken.

Nach einem Interview von Sigmar Gabriel mit den Zeitungen der Funke-Gruppe, in dem sich Gabriel über einen angeblichen Wortbruch beschwerte, musste Schulz seinen Verzicht auf das Außenamt erklären, nachdem sich sogar sein NRW-Heimatverband gegen ihn gestellt hatte.