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| 19:29 Uhr

Interview mit Monika Grütters
Der 30. Jahrestag wäre ein würdiges Datum

Monika Grütters bleibt optimistisch.
Monika Grütters bleibt optimistisch. FOTO: dpa / Michael Kappeler
Die Kulturstaatsministerin drängt auf einen baldigen Baustart für das Einheitsdenkmal und verteidigt die künstlerische Entscheidung. Von Christine Xuân Müller

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) dringt auf einen raschen Baubeginn für das Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin. Ihr Haus werde alles für eine schnellstmögliche Umsetzung des vorliegenden Architektenentwurfs tun. Im Interview appelliert die Kulturstaatsministerin aber auch an den Haushaltsauschuss des Bundestages, die Mittel dafür Ende September freizugeben.

Der Grundstücksvertrag ist notariell beurkundet, Bürgerrechtler machen Druck – kann es denn jetzt endlich losgehen mit dem Bau des Freiheits- und Einheitsdenkmals?

Grütters Ich hoffe es! Der Grundstücksvertrag ist ja jetzt unterschrieben und notariell beurkundet. Bereits im Juni hatte das Bundesfinanzministerium dem Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages eine vollständige Unterlage zur Finanzierung des Denkmals zugeleitet. Dennoch gab es aus dem Haushaltsausschuss die zusätzliche Forderung nach einer notariellen Beglaubigung des Grundstückserwerbs. Das ist nun aber alles vollzogen. Die Denkmal-Initiatoren aus der Deutschen Gesellschaft e.V. haben sich nun auch nochmal zu Wort gemeldet und drängen darauf, den Bau dieses Denkmals jetzt endlich zu realisieren.

Also können die Arbeiten jetzt starten?

Grütters Aus unserer Sicht, ja. Es gibt aber eine neue Hürde: die Bauge­neh­migung, die im Oktober ausläuft. Normalerweise ist deren Verlängerung eine Formalie. Aber das Landesdenkmalamt von Berlin denkt offenbar erneut über die Mosaiken des ehemaligen Denkmalssockels nach. Das ist in der Tat keine ideologische, sondern eine sehr pragmatische Frage. Als man anfing, den Sockel des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Denkmals zu sanieren, wurden viel mehr Mosaiken sichtbar, als man dort vermutet hatte. Über den Umgang damit hatten wir uns mit dem Land Berlin bereits vor Jahren verbindlich verständigt. Ich hoffe deshalb, dass dies der Realisierung des Denkmals auch jetzt aktuell nicht im Wege stehen wird.

Wann wird das Denkmal eingeweiht?

Grütters Die Zeit drängt. Ursprünglich war die Einweihung für den 20. Jahrestag des Mauerfalls im Jahre 2009 geplant, inzwischen schaffen wir nicht mal mehr den 30. Jahrestag im kommenden Jahr. Die bauausführenden Architekten rechnen mit einer Bauzeit von zwei Jahren, wenn es denn losgeht. Der 30. Jahrestag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2020 wäre ein würdiges Datum – aber auch das ist inzwischen ambitioniert. Ich kann mich aus heutiger Perspektive nicht auf einen Termin festlegen, aber mein Haus wird alles für eine schnellstmögliche Umsetzung tun.

Haben die Verzögerungen der vergangenen Jahre dem Ansehen des Projektes geschadet?

Grütters Was für eine Frage, ja! Die Idee eines Freiheits- und Einheitsdenkmals war ja nie umstritten. Es gab und gibt in der Bevölkerung durchaus den politischen Willen, an einen der wenigen unbestritten großen Höhepunkte unserer jüngeren Geschichte würdig zu erinnern. Aber die Frage ist, wie und in welcher Gestalt man das realisiert. Kontroversen gab es immer über den Entwurf der Waage und den Standort. Aber diese Kontroversen muss man aushalten. Es wird in unserer heutigen Gesellschaft mit ihrem Partizipationswillen nie einen künstlerischen Entwurf ohne Diskussion geben können. Aber am Ende sind die Menschen meistens dann doch versöhnt mit dem Ergebnis.

Über den Standort wird allerdings bis heute diskutiert ...

Grütters Diese „Einheitswaage“ war immer umstritten. Ich persönlich halte den Standort wegen seines Untergrunds und wegen seiner Historie als Kaiser-Wilhelm-Denkmal auch nach wie vor für problematisch. Aber der entsprechende Bundestagsbeschluss sieht eben die Realisierung an genau diesem Standort vor. Insofern ist diese Frage Geschichte, und das verbreitete Unbehagen über das Freiheits- und Einheitsdenkmal wird hoffentlich am Ende nicht die Idee beschädigen, dieses Denkmal zu errichten. Hinzu kommt ja bei allen Verzögerungen auch, dass das Projekt im Laufe der Jahre immer teurer geworden ist, von zehn Millionen auf 17,2 Millionen Euro Baukosten. Ich hoffe aber sehr, dass der Bundestags-Haushaltsausschuss nach der parlamentarischen Sommerpause Ende September die Mittel umgehend freigibt.

Mit Monika Grütters
sprach Christine Xuân Müller